Die Story im Ersten: Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?

Im Ersten gab es eine sehenswerte Doku über die Umweltbilanz von Elektroautos. Ich hatte am Anfang den Eindruck, die Sendung wäre ein bisschen einseitig gegen die Elektromobilität, weil erst die Nachteile betont wurden: die Umweltzerstörung und der enorme Wasserverbrauch bei der Lithium-Gewinnung in Lateinamerika, der hohe Energiebedarf zur Batterieherstellung, der schlechte Strommix.

Aber die These, die daraus abgeleitet wurde, entspricht dem, was wir bei 1E9 (und früher bei WIRED) auch immer wieder geschrieben haben: Große Elektroautos bringen nicht allzu viel in Sachen Umwelt- und Klimaschutz,kleine Elektromobile für die Stadt dagegen schon. Insbesondere wenn sie nur ein Teil ganz neuer, smarter Mobilitätskonzepte sind.

Jedenfalls: sehenswert!

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Große Elektroautos bringen der Umwelt sehr viel, wenn sie ein großes Benzinauto ersetzen. Und zwar schon nach einigermaßen geringer Kilometerleistung. Sind große Autos die erstrebenswerte Form der Mobilität der Zukunft? Eher nicht. Aber sie sind eine wichtige Brückentechnologie, die uns die nächsten Jahrzehnte begleiten wird. Wenn jedes neu gekaufte Auto ein Elektroauto ist, egal wie klein oder groß, dann sind wir schon einen Schritt weiter auf dem Weg zu klimaneutraler Mobilität. Viele andere Mobilitätsprobleme bleiben damit natürlich ungelöst, deswegen ist es nicht die Lösung, sondern nur eine. Die ARD Doku ist leider wieder sehr tendenziös gegen Elektromobilität. Damit ist niemandem gedient. Sie reiht sich damit ein, in eine lange Reihe von Berichterstattung, die versucht Zukunftstechnologien in schlechtem Licht darzustellen, um in letzter Hinsicht Trägheit und Vergangenheitsgewandtheit zu fördern. So lange es die ganz ideale Lösung noch nicht gibt, kann ich weiter mit meinem Diesel SUV über die Autobahn donnern…

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Ich fürchte auch, dass es ohne zu große Elektroautos zunächst nicht klappen wird, das System umzustellen. Diese haben mit unserem derzeitigen Strommix leider nur einen geringen Vorteil, wie der ADAC vergangenes Jahr ermittelt hat. Doch der Strommix verbessert sich ja, insofern wird auch dieses Problem von Jahr zu Jahr geringer. (Es gibt leider bisher wenig verlässliche Quellen zur CO2-Bilanz von E-Autos und Verbrennern, die wirklich von der Rohstoffgewinnung bis zur Verschrottung reichen.)

Außerdem kaufen momentan die meisten Verbraucher große Autos. Persönlich halte ich das oft für überflüssig, aber das ist eben so. Wir werden wohl kaum auf einmal die doppelte Umstellung schaffen - von Verbrennungsmotoren auf Elektroautos und von SUVs auf Kleinstwagen. Insofern wären große Elektroautos ein Anfang, genau wie du schreibst @Lin.

Ich fand die Doku in der Gesamtschau, was die Fakten angeht, letztlich in Ordnung. Gerade die erste Hälfte war aber sehr kritisch gegenüber Elektromobilität. Und auch wenn es danach etwas positiver wurde, könnte die Sendung genau den Effekt haben, den du befürchtest: Viele werden sich denken, dass E-Autos auch nicht viel besser sind - und einfach den nächsten Benziner oder Diesel kaufen.

Grundsätzlich bin ich zwar sehr dafür, auch neue Technologien auf ihre CO2-Bilanz etc. abzuprüfen. Bei Elektroautos läuft es aber zu oft so, dass die (völlig realen) Probleme bei der Rohstoffgewinnung sehr stark betont werden, über die Ölgewinnung aber wenig gesprochen wird. Außerdem haben die Verbrennungsmotoren 100 Jahre Vorsprung, in denen sie intensiv immer weiter entwickelt wurden.

@Wolfgang Auch in der ADAC Studie wird wieder nicht darüber geredet, dass ich ein E-Auto fast komplett kilmaneutral bekomme, wenn erneuerbare Energien bei Herstellung und “Tanken” benutzt wird. Das ist z.B. bei Tesla weitgehend der Fall. Ich will dem Ressourcenverbrauch von E-Autos nicht unkritisch entgegenstehen, aber mich wundert, dass wir immer so einseitige Studien präsentiert bekommen, die das E-Auto besonders schlecht aussehen lassen. Eine E-Auto Batterie hält viele 100 tausende Kilometer (das Tesla Taxi in München hatte, als ich das letzte Mal fuhr 300,000 km drauf). Und der Akku kann danach weiter verwendet werden, bzw. mit weniger Energiebedarf recycled. Es wird immer so getan, als ob so ein E-Auto nach 150 tausend Kilometern weggeworfen werden muss. Außerdem wird unterschlagen, dass fast jede E-Ladestelle mit Ökostrom betrieben wird und damit eben nicht dem deutschen Kohlestrom-Mix unterliegt.

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Stimmt, die Herstellung hat der ADAC einfach pauschal gemessen - unabhängig von der verwendeten Energie - und das Recycling wird auch unter den Tisch fallen gelassen. Aber immerhin sieht man an den Ergebnissen an, dass E-Autos unabhängig von der Herstellung bei Öko-Strom schon jetzt in jeder Klasse Verbrenner schlagen. Das ist zumindest ein Anfang. Besser wäre natürlich ein Vergleich auf Basis konkreter Modelle, für den die Hersteller auch ihre Energie- und Rohstoffquellen offengelegt haben. Damit bekäme man auch aussagekräftige Umweltlabels hin und nicht diese absurden Buchstaben, die wir gerade haben.

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Stimmt, die Herstellung hat der ADAC einfach pauschal gemessen - unabhängig von der verwendeten Energie - und das Recycling wird auch unter den Tisch fallen gelassen. Aber immerhin sieht man an den Ergebnissen an, dass E-Autos unabhängig von der Herstellung bei Öko-Strom schon jetzt in jeder Klasse Verbrenner schlagen. Das ist zumindest ein Anfang. Besser wäre natürlich ein Vergleich auf Basis konkreter Modelle, für den die Hersteller auch ihre Energie- und Rohstoffquellen offengelegt haben. Damit bekäme man auch aussagekräftige Umweltlabels hin und nicht diese absurden Buchstaben, die wir gerade haben.