Der Facebook-Coin Libra ist da

Nach langen Gerüchten und einem Leak in der vergangenen Woche: Da ist er nun. Facebook hat seinen Facebook-Coin öffentlich angekündigt. Der heißt allerdings nicht so, sondern trägt den nach „Freiheit“ schmeckenden Namen Libra. Geht’s nach Facebook, wird das eine neue globale Währung werden.

Grundsätzlich ist Libra aber zunächst einmal eine weitere Kryptowährung auf Blockchain-Basis. Allerdings wird die von Mastercard, PayPal, Visa, Stripe, ebay, Lyft, Spotify und vielen mehr unterstützt. Wertstabilität soll, wie auch bei anderen sogenannten Stablecoins, durch Rücklagen in einer „echten Währung“ erreicht werden – was bei Facebook deutlich glaubhafter ist als bei anderen Crypto-Start-up-Buden.

Das Whitepaper zu Libra gibt’s hier: https://libra.org/en-US/white-paper/#the-libra-blockchain

Mal munter drauflos spekuliert:

Ich glaube, dass sich Libra durchaus etablieren kann. Vor allem in Staaten, die derzeit ein schwaches und wenig engmaschiges Bankensystem haben: Afrika, einzelne Staaten Südostasiens. Auch in Nationen mit einem sehr instabilen Währungssystem wie Venezuela wird Libra wohl zumindest in Teilen genutzt werden. Schon jetzt werden Kryptowährungen dort zumindest in Nischen und auf Gemeindebasis als Zahlungsmittel genutzt.

In China und anderen Ländern, in denen WeChat und AliPay schon stark sind, wird Libra wohl wenig bis keine Chance auf große Verbreitung haben. Dafür sind beide Systeme einfach zu komfortabel und gesellschaftlich verankert. Aber wer weiß, was Marketing alles ausrichten kann. Was Nordamerika und Europa angeht: Nicht wenige werden sich zumindest auf ein Experimentieren mit Libra einlassen. Und das Backing durch Unternehmen wie Visa und Mastercard dürfte dabei eine gute Unterstützung sein.

Letztlich hängt es aber natürlich davon ab, wie und wo Libra akzeptiert wird und genutzt werden kann.

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Interessant, wie sich die Geschichte wiederholt: Jetzt hat Crypto sein AOL, seinen walled garden, der zwar eine gute UX hat und vermutlich gleich eine große Verbreitung, aber eben auch zahnlos ist im Vergleich zum sonstigen Cryptospace. Als Bank hätte ich jetzt Schiss, alle anderen sitzen das aus und… siehe AOL.

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Hier gibt es eine gute Übersicht zu den unterschiedlichen Ansätzen an crypto-“Bezahlmitteln”: https://medium.com/equilibre/the-case-against-corporate-and-fiat-coins-b25e59b4853e

Libra ist für mich die Potenzierung des “Bösen”! Facebook steht schon massiv in der Kritik. Jetzt launchen sie ein Bezahlmittel, was die shit situation potenziert und dasselbe nochmal wenn man sich das US Konsortium anschaut.

Ich hoffe nur, dass es bald Wettbewerb gibt und in Ländern mit echten Währungsproblemen sich diese Coin nicht breit macht.

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Man müsste jetzt eine “Don’t pay with it, they’ll milk you”-Kampagne launchen. Ohne den Gegenstand überhaupt zu erwähnen. :wink:

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Ich weiß ; ) Ich bezog mich da ja auch scherzhaft auf eine Äußerung von David Marcus, der das Projekt leitet.

Der sagte: “Freedom, justice and money, which is exactly what we’re trying to do here.”

Die Herkunft des Namens hat er so erklärt:

“The name was inspired by Roman weight measurements, the astrological sign for justice and the French word for freedom, said David Marcus, a former PayPal executive who is heading up the project.”

Wobei Freiheit eigentlich liberté wäre, aber egal XD

Ja, deswegen haben die Franzosen ja schon angeküdigt, sich das alles mal gaaaaanz genau anzuschauen.

https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-06-18/france-calls-for-central-bank-review-of-facebook-cryptocurrency

Dennoch bin ich gespannt, ob es Facebook schafft, hier mal eine Kryptocurrency mit einem Interface und einer Nutzungsinfrastruktur zu versehen, das sie tatsächlich alltagstauglich nutzbar macht.

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Ja, und nein, denke ich.

Walled Garden: Ja, wobei das viele wohl recht angenehm finden werden, die Kryptowährungen gut finden aber denen alle bisherigen Kryptowährungen zu viel „wild west“ sind; Libra wirkt da wie eine domestizierte Fassung davon, die, wenn Facebook dem jetzt auch noch eine Oberfläche verpasst, wohl auch noch komfortabel nutzbar wird. Und das vor allem als Zahlungsmittel und nicht als Investmentoption wie Bitcoin, Ether, etc.pp.

Dazu muss man sehen, das, wenn Libra tatsächlich vollends in Facebook integriert wird, plötzlich 2 Milliarden Menschen Zugriff auf eine Kryptowährung haben. Verdammt viele werden alleine aus Neugier damit einmal Geld hin und herschicken. Und wenn du damit auf Amazon deine Bestellung begleichen, bei Steam deine Games bezahlen kannst, dann wird das zwangsläufig ein Erfolg – vielleicht nicht im riesigen Maßstab aber einfach eingehen wird das, prophezeie ich, nicht einfach so.

Es hängt wohl gut und gerne davon ab, wie komfortabel Libra zu nutzen ist.

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@Michail, ich denke die machen das und sie schaffen das. Denn selbst wenn daraus eine riesige Gruppe von Verlierern hervorgeht, Facebook wird am Verlust der anderen gewinnen :face_with_raised_eyebrow:

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Hier ist nochmal eine gute Perspektive auf Libra!:

Die gigantische Userbase u.a. in Indien und das Problem der monetarisierung spielen hier eine Rolle. Mobile und financial services auf mobile, haben dazu geführt, dass in der vergangenen Dekade Entwicklungsländer mit niedrigen income per family zu attraktiven Märkten geworden sind.

Der move von FB in die Finanzindustrie ist nichts anderes. Hinzu kommt das Thema digitale Identitäten. Digital identity attributes kann man gerne auch als eine Art “currency” betrachten. In die Richtung schielen die heutigen großen Finanztransaktionsunternehmen, zB Wirecard, ja offenkundig auch.

@johnnyb kann hierzu sicherlich mehr sagen :slight_smile:

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Gibt auch politisch einigen Gegenwind - und sogar eine Einschätzung der Bayerischen Landesbank dazu. Ist bei Heise gut zusammengefasst.

Die BayernLB schreibt:

#Libra ist keine neue Währung, sondern an einen Währungskorb (und damit vor allem an den US-Dollar) gekoppelt. Damit importiert das Libra-System, wie bei herkömmlichen „Currency Boards“, die Geldpolitik von Fed und Co.

Das ist natürlich schon ein gewaltiger Unterschied - ist die Frage, ob dieser zum Vorteil oder zum Nachteil für die Etablierung von Libra wird.

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Dazu hatten wir vergangenes Jahr einen spannenden Gastbeitrag in der WIRED. Er wird dein ungutes Gefühl aber nicht vertreiben, sondern eher bestätigen…

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Interessante Überlegung. Aber ich glaube, da werden die Ambitionen von FB doch etwas überschätzt.

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Oder man erinnere sich an Blueseed - über dessen Geschichte mal irgendwann noch etwas schreiben wollte ; )

Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Aber ich bin trotzdem überzeugt, dass die Beweggründe von Facebook derzeit deutlich trivialer sind. Dass daraus aber etwas größeres, gefährlicheres und mächtigeres werden könnte, da stimme ich dir vollkommen zu.

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Hierzu hat Jon Evans bei TechCrunch auch einen interessanten Beitrag geschrieben. Darin geht er auch darauf ein, dass Libra vor allem auf die Regionen der Welt ausgelegt ist, wo viele Menschen ohne Zugang zu Banken und Zahlungsdienstleistungen sind und in denen es oft nur Währungen gibt, deren Wert sehr stark schwankt. Auch dort kriegt es Libra natürlich mit Konkurrenz zu tun, die ähnliche Ziele verfolgen, aber: Libra könnte durch Facebook tatsächlich global funktionieren und ist wesentlich besser für Nicht-Nerds nutzbar als viele Kryptowährungen.

Hier noch das Werbevideo von Libra, das in die gleiche Richtung zielt:

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