Das Überschallflugzeug XB-1 soll im kommenden Jahr seinen ersten Testflug absolvieren

Das Start-up Boom Technology hat sein erstes Überschallflugzeug vorgestellt. Die XB-1 soll die Blaupause für einen modernen Überschallpassagierjet werden. Ein erster Testflug ist für 2021 angesetzt.

Von Michael Förtsch

Vor 17 Jahren hob das letzte Mal eine Concorde zu einem Flug ab. Seitdem ist die Zeit der Überschallpassagierflugzeuge vorbei. Doch gleich mehrere Unternehmen arbeiten derzeit daran, einen modernen Nachfolger der legendären Concorde zu entwickeln und zum Begründer einer neuen Ära der Überschallflüge zu werden. Eines, das gute Chancen dabei hat, ist das US-Start-up Boom Technology – oder auch Boom Supersonic – aus Denver, Colorado. Das hat nun einen ersten Prototypen vorgestellt, der als sogenannter Überschall-Demonstrator beweisen soll, dass die Technik funktioniert und sich für ein kommerzielles Passagierflugzeug nutzen lässt.

Das XB-1 oder auch Baby Boom getaufte Flugzeug ist 21 Meter lang, 6,4 Meter breit und soll von drei J85-15-Triebwerken am Heck befeuert werden, die von General Electric Aviation hergestellt werden. Optisch gleicht es einem Kampfjet. Der Flieger besteht fast vollständig aus einem leichten, aber belastbaren Kohlefaserverbundstoff. Platz gibt es lediglich für einen Piloten. Seit fast sechs Jahren wird an dem aerodynamischen Design und der Technologie gearbeitet. Einige Hundert Computersimulationen und mehrere Windkanaltests soll das Flugzeug bereits durchlaufen haben.

Erstmals abheben soll die XB-1, wenn alles glatt geht, im kommenden Jahr. Bei Testflügen über der Mojave Wüste soll es ganze Mach 1,3 erreichen – also 1.605 Kilometer pro Stunde – und einen kaum hörbaren Überschallknall erzeugen. Hierbei sollen in die Maschine verbaute Sensoren und Kameras dann Daten über Strömungen, Vibrationen sowie Hitze- und Klangentwicklung sammeln, die es braucht, um eine sowohl sichere als auf komfortable Passagiermaschine zu konzipieren.

Erste Passagierflüge erst Ende des Jahrzehnts

Mit dem Testflug im Jahr 2021 liegt Boom Technology hinter dem einst gesetzten Zeitplan zurück. Eigentlich wurde der erste Start für die XB-1 bereits für 2017 versprochen. Auch sonst ist die Planung des Start-ups ziemlich verrutscht. Statt wie einst geplant 2023 soll der sogenannte Roll-out des Overture genannten Überschalljets zum Passagiertransport nun erst 2025 beginnen. Erste Passagierflüge sollen wegen Genehmigungsprozessen und Zulassungen weitere fünf Jahre entfernt sein. Erst Ende des Jahrzehnts könnte also auf ersten Routen die Schallmauer durchbrochen werden.

Boom-Technology-Gründer Blake Scholl gibt sich jedoch ziemlich sicher, dass dieser Zeitplan nun zu halten ist. Wenn die Tests der XB-1 alle reibungslos verlaufen, könne das 140 Köpfe starke Team nahtlos in die Arbeit an der Overture übergehen. Denn die sei dann im Grunde lediglich eine zweieinhalbmal größere vergrößerte Fassung der Baby Boom, die Platz für 55 bis 75 Passagiere bieten und bis zu Mach 2,2 erreichen soll. Die Triebwerke der Overture sollen daher deutlich stärker sein, mit weniger klima- und umweltschädlichem Bio-Kerosin laufen und extra von Rolls-Royce konzipiert und gefertigt werden.

Die Konkurrenz ist da

Insgesamt 500 Routen wurden bereits ausgemacht, auf denen die Overture sinnvoll erscheint. Ein Flug von New York nach London würde mit der Overture nur dreieinhalb statt sieben Stunden dauern – bei einem Ticketpreis von rund 4.300 Euro. Sowohl die Fluggesellschaften der Virgin Group als auch Japan Airlines sollen bereits Modelle vorbestellt haben. Auch mit der US Air Force hat Boom einen Vertrag geschlossen, um einen Überschallflieger für den Transport von hochrangigem Polit- und Militärpersonal zu konzipieren.

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Boom Technology ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das wieder Überschallpassagierflüge ermöglichen will. Auch andere Start-ups sind in den vergangenen Jahren in das Überschallrennen eingestiegen und arbeiten an unterschiedlichen Konzepten. Beispielsweise wollen Spike Aerospace und Aerion kleine Überschalljets für reiche Geschäftskunden fabrizieren und Hermeus und Exosonic größere Passagierflugzeuge mit bis zu 70 und mehr Sitzplätzen konstruieren. Die Prioritäten sind dabei unterschiedlich. Hermeus verspricht etwa, dass sein Jet bis zu Mach 5 – also 6.170 Kilometer pro Stunde – schaffen könne. Der Flieger von Exosonic soll dagegen langsamer, aber auch deutlicher leiser unterwegs sein.

Teaser-Bild: Boom

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