Bis 2030 soll der erste japanische Bürger auf dem Mond landen

Japan hat große Raumfahrt-Ambitionen. Bis Ende des Jahrzehnts will das Land einen eigenen Astronauten oder eine Astronautin auf der Mondoberfläche landen lassen. Ganz ohne Hilfe geht das aber nicht.

Von Michael Förtsch

Gerade erst musste das Artemis-Programm der NASA einen Rückschlag einstecken. Der eigentlich für November 2021 angesetzte Erststart der Mondrakete SLS und des Raumschiffs Orion wurde auf Februar 2022 verschoben. Bereits zuvor musste die US-Raumfahrtbehörde ihren optimistischen Zeitplan korrigieren, demzufolge bereits 2024 wieder ein US-Bürger seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzen sollte. Das soll nun frühstens 2025 geschehen – und gibt anderen die Chance, aufzuholen. Denn die USA sind mit ihren Plänen keineswegs alleine. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und China hoffen, bis Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond bringen – und bis 2040 auf dem Erdtrabanten eine dauerhafte Basis zu einrichten. Jetzt kommt ein weiterer Herausforderer dazu: auch Japan will den Mond erobern – allerdings mit Hilfe der US-Amerikaner und anderer Raumfahrtnationen.

Die Ziele von Japan sind ebenfalls hochgesteckt. Denn die japanische Raumfahrtbehörde JAXA will schon in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts einen japanischen Staatsbürger auf die Oberfläche des Mondes bringen. Das kündigte der japanische Premierminister Fumio Kishida nun an. Allerdings soll das nur in Teilen mit eigener Technik geschehen. Stattdessen sieht der Plan des Strategischen Hauptquartiers für Nationale Raumfahrtpolitik vor, einen japanischen Astronauten ins All und zum Lunar Orbital Platform-Gateway zu transportieren, einer Raumstation, die ab Mitte der 2020er im Orbit des Mondes in Betrieb genommen werden soll. Vom Gateway aus soll der japanische Astronaut oder die Astronautin dann mit einer Kapsel zum Mond hinabsteigen. Wer es auch sei, der japanische Staatsbürger soll der „erste neben den Amerikanern“ sein, der in diesem Jahrzehnt den Mond betritt.

Das Lunar Orbital Platform-Gateway wird gemeinsam von der NASA, der ESA, der kanadischen Raumfahrtbehörde CSA und der JAXA geplant – und soll sowohl als Zwischenstation auf dem Weg zur Mondoberfläche und später zum Mars dienen. Japanische Luft- und Raumfahrtingenieure arbeiten derzeit an einem unbemannten Cargo-Raumschiff, das in mehreren Jahren genutzt werden soll, um Versorgungsflüge zur Raumstation im Mondorbit durchzuführen. Ebenso will Japan konkret Beiträge zum langfristig angelegten Artemis-Programm der USA beisteuernund hat unter anderem schon ein Konzept für einen Mond-Van vorgestellt, der das Auskundschaften des Mondes erleichtern soll.

Auch Solarkraftwerke im Weltraum sind geplant

Laut Fumio Kishida gehe es bei der Landung des Astronauten oder der Astronautin darum, die Position von Japan in der Luft- und Raumfahrt zu festigen. „Der Weltraum ist nicht nur eine Grenze, die den Menschen Hoffnungen und Träume gibt“, sagte Kishida. Der Weltraum sei auch „eine entscheidende Grundlage für unsere ökonomisch geprägte Gesellschaft“ und essenziell „im Hinblick auf unsere wirtschaftliche Sicherheit“. Die Vorbereitungen für das japanische Programm haben bereits begonnen. Bereits Ende November 2021 hatte Japan angekündigt, erstmals nach über einem Jahrzehnt Kandidaten für ein Raumfahrtprogramm zu rekrutieren, die in den kommenden Jahren vor allem auf der Internationalen Raumstation arbeiten und forschen sollen.

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Die Landung eines eigenen Bürgers auf dem Mond ist nur ein Teil der Raumfahrtpläne, die anstehen. Ebenso ist angedacht, bis Ende des Jahres 2025 ein Netzwerk von kleinen Satelliten in der Umlaufbahn der Erde positionieren, um insbesondere die Vorhersage von Katastrophen wie Tsunamis und Erdbeben zu verbessern. Gleichsam soll die Forschung an Konzepten für Solarkraftwerke im Weltraum intensiviert werden, die Sonnenenergie unbeeinflusst von Wetter und Tageszeiten gewinnen und zur Erde transportieren könnten.

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