Was den Amerikanern ihre Waffengesetze, ist den Deutschen ihre Geschwindigkeitsbegrenzung

Die Debatte um das Tempolimit auf Deutschland’s Autobahnen bewegt die Gemüter. Dabei gibt es gar nicht so viele Kilometer, relativ zur Gesamtlänge ist diese Zahl fast schon verschwindend klein, auf denen man unbegrenzt schnell Auto fahren darf.

Karl-Thomas Neumann meldet sich mit einer interessanten Grafik zu Wort:

I’m currently in Germany and surprised about the emotional and anachronistic debate about speedlimits. Why isn’t Verband der Automobilindustrie (VDA) e.V. taking the lead and show that they understood: Support of a speed limit of 130. It will come anyhow. Here is a chance to demonstrate forward thinking. \KTN

Die Kommentare schwanken zwischen Argumenten, die das „freie Fahrvergnügen“ als einzigartiges Marketingelement für Deutschland (was durch seine Autobahnen geprägt ist) hochloben, bis hin zu einer Rechnung, die aufzeigt, dass wir über gerade mal 2,8% aller Autobahnkilometer diskutieren und wir doch eigentlich wichtigere Themen haben sollten..

Diese Bandbreite und, dass wir uns überhaupt darüber echauffieren und gegeben der europäischen Nachbarländer „mal wieder“ einer der letzten sein werden, die ein zivilisiertes Fahren auf Autobahnen zum Standard macht, ist finde ich hiermit super ausgedrückt:

Was den Amerikanern ihre Waffengesetze sind, ist für die Deutschen die Geschwindigkeitsbegrenzung…

Was haltet ihr vom Geschwindigkeits(nicht)verbot, oder der Tatsache, dass es für Politik oder Verbände anscheinend sehr schwierig ist hier eine Richtung vorzugeben?

Ich weiß nicht, ob der Vergleich mit dem Waffengesetzen oder besser gesagt: Der Freiheit, Schusswaffen zu tragen so hinhaut. Denn bei den Amerikanern sind Schusswaffen wahnsinnig tief in der „nationalen Mythologie“ verhaftet. Schusswaffen waren das Werkzeug mit dem die neue Welt – und insbesondere der Wilde Westen – erobert worden war. Schusswaffen waren das Mittel, um sich gegen die Kolonialpolitik zur Wehr zu setzen. Und natürlich waren es Schusswaffen, die den Bürgerkrieg prägten und damit den Grundstein der heutigen Vereinigten Staaten legten. Sie sind damit so fest mit der Identität der Nation verhaftet wie kaum etwas anderes. Eigentlich sind sie von der Geschichte der USA nicht zu trennen – anders als bei vielen anderen Nationen, die eine deutlich ältere oder friedlichere Geschichte (bspw. Kanada) haben

Schusswaffen gelten für viele US-Amerikaner als Werkzeug der Freiheit, als nationales Symbol und einfach das, was diese Nation und ihre Bürger geformt und zu dem gemacht hat, was sie ist (oder zumindest über sehr lange Zeit war). Sie stehen dafür, der eigene Herr zu sein, sein Hab und Gut, die Familie verteidigen zu können und auch trotz der staatlichen Macht aufbegehren zu können, wenn Ungerechtigkeit Einzug hält. Wie wahr dieses Gefühl ist, ist natürlich eine Frage – aber eigentlich auch egal. Nicht umsonst wird so heftig um die Interpretation des Verfassungszusatzes gestritten, der die (angebliche) Freiheit bestimmt, Waffen zu tragen.

Natürlich sind Autos für viele Deutsche ein „Kulturgut“, sie haben die wirtschaftliche Stärke des Landes geprägt und das Ansehen der Nation. Aber dennoch: Ich finde das ist weit weg von der Verklärung der Schusswaffen in den USA.

Ansonsten: 130 auf Autobahnen – überall! Punkt.

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Trau mich an den Vergleich gar nicht ran, weil ich niemals in dem USA gelebt habe. Kann mir aber auch nur sehr schwer vorstellen wie Waffen(Gewalt) eine so positive oder zumindest tiefe Verankerung und Akzeptanz erfahren kann, angesichts der sehr oft wiederkehrenden Schießserien an Schulen etc.

Etwas scheint schon dran zu sein an deiner Perspektive auf die USA wenn man derartig grausame Aktionen immer noch duldet.

Ein Auto, auch wenn Deutschland gerne die Autonation ist und die Autobahnen, samt den Mythen und Geschichten zu deren Entstehung, kann da wirklich nicht mithalten.

Muss aber vielleicht auch keinem direkten Vergleich standhalten. Die Absurdität beider Geschichten reicht vielleicht schon aus, um sie in einen Pott zu werfen.

Wobei ich jetzt gerne auch wüsste wie viele Tote das Rasen und die heimische Autobahnkultur mit sich bringt.

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Ich gestehe, dass ich bei freier Autobahn echt sehr gerne schnell fahre… Aber erst kürzlich hab ich mal ausprobiert, wie es so ist, wenn ich trotz freier Bahn den Tempomat auf 140 stelle und etwas gemütlicher von München nach Nürnberg fahre. Und es war echt gut. Habe drei schöne Podcasts gehört und kam dadurch schlauer und entspannter an…

That said: Entweder 130 und weiterhin nahezu keine Konsequenzen, wenn man zehn Km/h zu schnell fährt. Oder halt strikt 140. Nur 130 ist schon arg langsam…

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Du Flitzer!

Finde das entspannte Fahren zB in der Schweiz super. Man gewöhnt sich an die „Langsamkeit“, die gar nicht so langsam ist, wenn man von städtischen Geschwindigkeit aufs Gas drückt.

Wer 180 gewohnt ist, ja für den wird es hart! Der hat aber in der Stadt und sonst glaube ich auch Probleme mit dem Straßenverkehr…

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