This Week in Future #201 // 17.03.2024

Hi,

in diesem wöchentlichen Newsletter wollen wir euch Lesens-, Sehens- und Hörenswertes aus anderen Medien und Veröffentlichungen vorstellen. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wollen aber Geschichten und Informationen mit euch teilen, die uns in der 1E9-Redaktion bemerkenswert erschienen.

Prognose: Deutschland kann Klimaziele bis 2030 erreichen

  • Laut einem Bericht des Umweltbundesamtes gingen die Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland im Jahr 2023 so stark zurück wie noch nie seit 1990. Der Wert sank um 76 Millionen Tonnen, also rund zehn Prozent, auf etwa 673 Millionen Tonnen. Bis 2030 erwartet das Amt aktuell einen Rückgang von 64 Prozent gegenüber 1990 – das Klimaziel von 65 Prozent scheint damit in greifbarer Nähe. Bundeswirtschaftsminister Habeck erklärte dazu, wie unter anderem der Spiegel berichtet: „Deutschland ist auf Kurs – erstmals.“ Die taz verpasst dieser Zufriedenheit einen Dämpfer: Die Kürzungen bei Klimaschutzmaßnahmen aufgrund der Haushaltskrise habe das Umweltbundesamt noch nicht berechnet, außerdem dürfe man den Effekt der schwächelnden Wirtschaft nicht vergessen.

Roboter mit ChatGPT: Figure veröffentlicht Demo-Video seines Humanoiden Figure 01

  • Ein neues Video des amerikanischen Robotik-Start-ups Figure, das unter anderem von Microsoft, Nvidia und Jeff Bezos finanziert wird, hat innerhalb kürzester Zeit Millionen von Menschen erreicht: Es zeigt den humanoiden Roboter der Firma, Figure 01, bei der ziemlich natürlich klingenden Kommunikation mit einem Menschen. Die Maschine demonstriert, dass sie Objekte in ihrem Umfeld erkennen, Arbeitsabläufe planen und Anweisungen in natürlicher Sprache verstehen kann. Außerdem räumt sie mit recht fließenden Bewegungen dreckiges Geschirr ab. Die Fähigkeiten des Roboters, seine Umgebung visuell und Sprache akustisch zu verstehen, sollen auch auf der Integration der KI-Modelle von OpenAI basieren, der Firma hinter ChatGPT. Wann Figure 01 in den Verkauf gehen soll, hat das zwei Jahre alte Unternehmen bislang nicht bekanntgegeben.

Robotics Foundational Model: Wie Roboter per KI ihre Umgebung und Menschen verstehen

  • Figure ist nicht das einzige Start-up, das Künstliche Intelligenz auf Basis Neuronaler Netze, die aktuell gerade vor allem für Chatbots, Bild- oder Videogeneratoren diskutiert wird, in Robotern zum Einsatz bringen will. Das von drei ehemaligen OpenAI-Forschern gegründete Unternehmen Covariant, zum Beispiel, arbeitet an einem „Robotics Foundational Model“ – also an einer KI, die es Robotern ermöglichen soll, sich selbständig in ihrer physischen Umgebung zurechtzufinden, vor allem in Lagerhallen und Fabriken. Außerdem sollen sie damit in der Lage sein, menschliche Sprache zu verstehen. Ähnlich wie bei KI-Chatbots bleiben auch bei diesem Ansatz Fehler nicht aus, daher mahnen Experten an, derartige Systeme nur dort einzusetzen, wo Fehler gemacht werden dürfen. Mehr dazu könnt ihr bei der New York Times nachlesen.

Der Google-Chatbot Gemini darf keine Fragen zu politischen Wahlen mehr beantworten

  • Damit der eigene KI-Chatbot Gemini keine Falschinformationen verbreitet, beschränkt Google die Themen, zu denen er Antworten abgeben darf: Weder zu den anstehenden Wahlen in den USA und Indien, noch zur Europawahl oder Wahlen in Großbritannien oder Südafrika soll die KI in Zukunft etwas sagen. Wer nach Politikern oder Parteien fragt, soll nur noch ausweichende Antworten bekommen und auf die klassische Google-Suche verwiesen werden, berichtet der Guardian.

Sicherheitslücke bei KI-Chatbots: Offenbar nur Google nicht betroffen

  • Wie Ars Technica unter Berufung auf eine Untersuchung der israelischen Ben-Gurion Universität vermeldet, haben die populären KI-Chatbots – außer die von Google – eine Sicherheitslücke. Diese mache es Hackern durch eine Side-Channel-Attacke möglich, private Konversationen mit ChatGPT oder Microsoft Copilot unbemerkt abzufangen und nicht wörtlich, aber doch recht akkurat zu entschlüsseln. Möglich machten das speziell trainierte KI-Modelle. Um die Sicherheitslücke zu schließen, schlagen die Forscherinnen und Forscher zwei Möglichkeiten vor. Eine davon: Dem Beispiel von Google folgen.

Afrikanische Union bereitet eigene Regulierung von Künstlicher Intelligenz vor

  • Während der AI Act der Europäischen Union nach jahrelangen Diskussionen vom Europaparlament beschlossen wurde, wir haben bei 1E9 darüber berichtet, laufen auch bei der Afrikanischen Union die Vorbereitung einer gemeinsamen Regulierung von Künstlicher Intelligenz, wie MIT Technology Review schreibt. Auch für Afrika wird der Nutzung von KI ein enormes wirtschaftliches Potential zugemessen: Bis 2030 soll ein Plus von 136 Milliarden Euro möglich sein. Außerdem entwickeln und verwenden Start-ups, Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen bereits eigene KI-Systeme, zum Beispiel zur Früherkennung von Pflanzeninfektionen, aber auch zur Überwachung per Gesichtserkennung. Prominente Start-up-Gründer warnen vor zu eiliger Regulierung, erst müsse sich die afrikanische KI-Branche etablieren.

Fusion 2040: Bund will die Entwicklung von Fusionskraftwerken vorantreiben

  • Die Bundesregierung will die Erforschung der Kernfusion noch stärker fördern als bisher. Das kündigte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger am Mittwoch an, berichtet unter anderem Heise.de . Bereits jetzt werden beispielsweise das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und das Forschungszentrum Jülich für ihre Arbeit zur Kernfusion unterstützt. Mit einem Fusion 2040 getauften Programm soll jetzt zusätzlich ein „Fusionsökosystem“ geschaffen werden. In dessen Rahmen soll auch die Arbeit an zusätzlichen Technologien und Komponenten gefördert werden, die für kommerzielle Fusionskraftwerke nötig sein werden.

Neues von SpaceX: Starship-Flug und Spionage-Satelliten

  • Erfolg und Fehlschlag zugleich: Am Donnerstag startete das Starship des Raumfahrtunternehmens SpaceX erfolgreich in den Weltraum und umrundete die Erde einmal in rund 200 Kilometern Höhe. Dabei lieferten Kameras an der Hülle beeindruckende Aufnahmen unseres Planeten. Jedoch scheiterte der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Vermutlich wurde das „Ship“ über dem indischen Ozean zerstört. SpaceX wertet den Flug trotzdem als Meilenstein. Denn noch nie zuvor habe die Menschheit ein solch großes und schweres Objekt gezielt in den Weltraum befördert.

  • Von SpaceX gab es in dieser Woche auch noch andere Neuigkeiten. Laut Reuters schloss das Raumfahrtunternehmen einen 1,8 Milliarden US-Dollar schweren Vertrag mit dem National Reconnaissance Office – dem satellitengestützten Militärnachrichtendienst der USA. Für diesen soll SpaceX ein Netzwerk aus Hunderten von Satelliten aufbauen, um die Erde aus dem niedrigen Orbit überwachen zu können. Der Name des Programms laute Starshield.

Kommunikation für Mond-Missionen: DLR in Oberpfaffenhofen übernimmt zusätzliche Aufgaben

  • In Oberpfaffenhofen bei München befindet sich bereits ein Kontrollzentrum der Internationalen Raumstation ISS. Schon bald soll die Einrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt eine weitere Aufgabe übernehmen: Ab dem Start der ersten Mond-Missionen im Rahmen des Artemis-Programms der NASA und ihrer Partner im kommenden Jahr soll dafür auch auf die deutsche Kommunikationsstelle gesetzt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde bereits unterzeichnet, berichtet die Tagesschau.

Gen-manipulierte Kühe sollen Insulin produzieren

  • Forscherinnen und Forscher haben eine neue Methode entwickelt, um das für Diabetiker so wichtige Insulin herzustellen. Ein Team der University of Illinois Urbana-Champaign und der Universidade de São Paulo manipulierte die Gene von Kühen, damit diese das Hormon in großen Mengen produzieren – und in ihre Milch abgeben. Pro Liter ließe sich derzeit ein Gramm davon extrahieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Vor allem in industriell weniger stark aufgestellten Weltregionen könne mit dieser Methode eine zuverlässige Quelle für Insulin gesichert werden.

US-Farmer wollte Monsterschafe züchten – und landete vor Gericht

  • In den USA sorgt gerade ein irrwitziger Fall für Aufsehen. Ein Farmer namens Arthur Schubarth musste sich vor Gericht verantworten, da er ein Monsterschaf züchten wollte, berichtet CBS. Dafür hatte er zunächst illegal Teile der größten Schafsrasse der Welt, der Marco-Polo-Schafe, aus Kirgisistan in die USA importiert. Aus der darin enthaltenen DNA züchtete ein Labor in seinem Auftrag mehrere Klon-Embryos der Riesenschafe, die Schubarth dann mit seinen eigenen Schafen kreuzen wollte. Die Versuche von Schubarth verstießen jedoch gegen mehrere US-Bundesgesetze, weswegen er nun zu einer Geldstrafe von 250.000 US-Dollar verurteilt wurde. Das Ziel des Farmers war, so Generalstaatsanwalt Todd Kim, die „gewaltigen Hybridschafe“ letztlich auf einem Gelände freizulassen und für die Jagd freizugeben.

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