So sieht das Raketenschiff von Virgin Galactic, das Weltraumtouristen befördern soll, im Inneren aus

Noch ist unklar, wann der erste vollbesetzte Touristenflug von Virgin Galactic stattfinden wird. Aber immerhin hat das Raumfahrttourismus-Unternehmen von Richard Branson nun schon einmal gezeigt, wie stilvoll der Flug ausfallen soll. Das Raketenschiff des Briten soll aber nicht nur für den Tourismus, sondern auch die Forschung nützlich sein.

Von Michael Förtsch

Dass Virgin Galactic etwas spät dran ist, wäre eine Untertreibung. Richard Branson, der britische Milliardär und Gründer der Weltraumtourismus-Firma, sagte bereits im Jahr 2008 voraus, dass die ersten Urlaubsflüge in weniger als drei Jahren stattfinden würden. Später verkündete er, dass er Ende 2013 bei einem Premierenflug der Kombination aus Trägerflugzeug und Raketenschiff mit dabei sein würde. Der wurde jedoch auf 2015 verschoben. Tatsächlich wurde es aber Dezember 2018, bis das Raketenschiff VSS Unity tatsächlich seinen ersten suborbitalen Flug meisterte und dabei 82,7 Kilometer Höhe erreichte, womit es nach US-Standards die Grenze zum Weltraum überschritt. Ein weiterer erfolgreicher Flug gelang im Februar 2019.

Daher sollen nun bald die lange versprochenen und teils schon seit Jahren reservierten Touristenflüge stattfinden. Möglichst noch in diesem Jahr, wie Branson ansagte, könnte es den ersten davon geben. Am gestrigen Abend zeigte Virgin nun zumindest schon, wie die zahlungskräftigen Kunden in den Weltraum – oder nach internationalen Standards zumindest sehr nahe an den Weltraum – starten werden. In einem Live-Stream führte das Team durch das Raketenraumschiff VSS Unity, dessen Passagierkabine vollends mit leichtem Aluminium und noch leichterem Karbonfasermaterial ausgekleidet ist. Die Sitze, die beinahe schwebend über dem Boden hängen, sollen aus den gleichen Materialien gefertigt sein.

Große Bullaugen direkt neben und über den Sitzplätzen sollen den Mitfliegenden einen spektakulären Ausblick ermöglichen, während sie in die Höhe sausen, dann nahe dem All für einige Minuten schweben und letztlich zurück zur Erde rauschen. Laut Jeremy Brown, dem Chef von Virgin Galactic, soll das in weiß, grau und blau gehaltene Interieur bereits vor dem Flug ein Gefühl von Weltraumabenteuer vermitteln. Daher sei es natürlich stark von Science-Fiction-Filmen, aber auch von echten Raumfahrzeugen der Vergangenheit und deren praktischer Ästhetik inspiriert. Tatsächlich erinnert der Blick in die Kabine an die minimalistischen Gänge und Innenräume der Raumschiffe aus 2001: Odyssee im Weltraum.

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Auch von Italien aus soll Virgin in Zukunft fliegen

Da der Flug ins All und der zurück zur Erde nicht gerade ruckelfrei sein werdem, sollen bestimmte Lichtfarben und Effekte eine psychologisch beruhigende Wirkung entfalten. 16 Kameras im Schiff sollen die Reise dokumentieren und garantieren, dass die Passagiere später genügend Bild- und Videomaterial zum Vorzeigen, Erinnern und Angeben haben. Ein großer Spiegel am Ende der Kabine soll dafür sorgen, dass sich die Gäste beim Umherturnen in der Schwerelosigkeit beobachten können. Weiche Polstermaterialien an den Fenstern sollen verhindern, dass sich niemand schmerzhaft den Kopf stößt.

Das Innere des Raketenschiffes soll aber nicht nur für Touristenflüge taugen, die rund 250.000 US-Dollar pro Person kosten. Stattdessen soll es auch für Forschungszwecke nutzbar sein. Die Verankerungen der Stühle sollen beispielsweise ohne Probleme auch Regale mit Forschungs- und Messgeräten sowie Experimenten aufnehmen können. An den Fenstern sollen sich Kameras und verschiedene Scanner anbringen lassen.

Einen festen Termin für den ersten kommerziellen Flug mit voller Kabine hat Virgin Galactric noch nicht verkündet. Starten sollen die Trips ins All jedoch von einem schon jetzt für den Dauerbetrieb ausgelegten Spaceport America, der 2011 bei Jornada del Muerto in New Mexico fertiggestellt wurde. Dort soll zukünftig aber nicht nur die Flugzeug-Raketenschiff-Kombination von Virgin Galactic starten, sondern auch kommerzielle Micro-Launcher- und Forschungsraketen von Starchaser Industries, Exos Aerospace und UP Aerospace. Einen ähnlichen Raketenbahnhof plant Virgin Galactic bereits in Süditalien nahe des Flughafens Taranto-Grottaglie.

Bilder: Virgin Galactic

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