So macht der Astrofotograf Andrew McCarthy diese fantastischen Aufnahmen des Weltraums

Der Mond, die Sonne, die Internationale Raumstation und weit entfernte Galaxien. Normalerweise sind es Raumfahrtbehörden wie die NASA oder die ESA, die diese kosmischen Objekte in beeindruckenden Fotos festhalten. Aber ihnen macht seit geraumer Zeit ein Hobbyfotograf kräftig Konkurrenz. Wir haben mit ihm gesprochen.

Von Michael Förtsch

Es war kaum zu übersehen– und das nicht nur, weil es tatsächlich riesig ist. Sondern, weil es zu Beginn des Jahres von zahlreichen Nutzern auf Facebook, Twitter und Reddit begeistert geteilt wurde. Und auch so ziemliches jedes Online-Magazin und Blog, das sich der Raumfahrt und Technik verschrieben hat, würdigte es in einem Beitrag: Ein 81-Megapixel großes Fotos des Mondes, das den Erdtrabanten halb im hellen Schein, halb in der Dunkelheit zeigt und einzelne Krater und Felsformationen ausmachen lässt. Um den Mond herum wiederum sind funkelnde Sterne und eine schimmernde Aura des reflektierten Sonnenscheins zu sehen. Geknipst hat dieses Bild weder die NASA, noch die ESA oder eine andere Raumfahrtagentur, sondern Andrew McCarthy – und zwar aus dem Hinterhof seines Hauses in Elk Grove, Kalifornien.

McCarthy hatte für das imposante Megafoto insgesamt 50.000 Einzelaufnahmen des Mondes und des Sternenhimmels gemacht. Einige der Fotos schoss er mit einer Sony a7 II mit einem 300-Milimeter-Objektiv. Andere wiederum mit einer 250 Euro günstigen Farbkamera für Astrofotografie, die durch ein Teleskop blickte. Die Aufnahmen verknüpfte er dann zu 50 Bildkacheln. Dafür mussten sie nicht nur stimmig aneinandergereiht, sondern auch in Photoshop zurechtgeschnitten und ineinander verblendet werden, um Kontrast und Struktur herauszuarbeiten. Letztlich kombinierte er aus diesen großen Kacheln dann wiederum das Gesamtbild. „Es war einer meiner ersten Versuche, mehrere Fototechniken zu verknüpfen“, sagt McCarthy im Gespräch mit 1E9. „Das hat zu dieser Zeit eine ziemliche Weile gedauert, weil ich einige der Techniken quasi nebenbei für mich erfunden habe. Aber wahrscheinlich nicht so lange, wie viele denken.“

Zwischenzeitlich hat Andrew McCarthy jede Menge weitere fantastische Astrofotografien angefertigt und veröffentlicht. Darunter sind verblüffende Detailaufnahmen der Oberfläche der Sonne, die Wellen von Plasma ins All hinaus feuert, oder Jupiter und Saturn, die sich hinter dem Mond aufreihen. Für andere Bilder hat er noch ein ganzes Stück weiter ins All hinausgeschaut – beispielsweise um die Galaxie Messier 81 abzulichten oder auch die berühmten Säulen der Schöpfung im 7.000 Lichtjahre entfernten Adlernebel einzufangen. Auch diese Bilder bestehen mindestens aus einigen Dutzend und manchmal sogar aus Hunderten von Einzelaufnahmen, die zu einem farbenfrohen Gesamtwerk werden. „Wenn du dir die anschaust, dann siehst du, was sich seitdem [an meiner Arbeitsweise] getan hat“, sagt der Fotograf. „Ich bin gespannt, wie ich meine heutigen Bilder in einem Jahr sehen werde.“

Unendliche Weiten von spannenden Motiven

Die Begeisterung für den Weltraum wurde bei Andrew McCarthy schon in seiner Jugend geweckt, als ihm sein Vater durch ein Teleskop die Ringe des Saturn und die Kraterlandschaften auf dem Mond zeigte. Aber irgendwie sei diese Faszination dann eingeschlafen, erzählt er. Stattdessen hätte er sich in der Fotografie verloren. Aber: „Mein Interesse kehrte vor einigen Jahren zurück, als ich mir aus einer Laune heraus ein eigenes Teleskop kaufte“, sagt er. „Es war ein Dobson-Teleskop, das großartig ist, um die Planeten, Nebel und mehr zu sehen. Ich versuchte Bilder von dem, was ich sah, mit dem Smartphone zu machen – aber sie waren schrecklich. Also begann ich nach Wegen zu forschen, um bessere Bilder des Weltalls zu machen und stürzte in einen echten Kaninchenbau aus Dingen, die ich über Technik und Ausrüstung lernen konnte.“

Als sich das Licht dieser Galaxie auf seine Reise machte, um letztlich in meinem Teleskop zu enden, gab es die Menschen noch gar nicht.

Mittlerweile verbringt McCarthy nahezu jede Nacht mit seinen Kameras und wahlweise einem Orion-XT10-, Meade-Astrograph- oder Celestron-SCT-Teleskop. Er sei „echt süchtig“ nach dem Blick ins All. Denn: „Der Weltraum ist eines der wenigen Dinge im Leben, die wir einfach nicht vollständig erforschen und verstehen können. Es gibt keine Grenze, wie weit wir sehen können. Die Möglichkeiten, neue Dinge zu entdecken, sind unendlich“, sagt der Astrofotograf. „Erst vor einigen Nächten habe ich ein Bild von einem Objekt im Weltraum aufgenommen, das 30 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Als sich das Licht dieser Galaxie auf seine Reise machte, um letztlich in meinem Teleskop zu enden, gab es die Menschen noch gar nicht. Es rückt unser Dasein in eine interessante Perspektive, die mir das Gefühl gibt, gleichzeitig groß und klein zu sein.“

Daher fürchtet Andrew McCarthy auch nicht, dass ihm die Astrofotografie jemals langweilig werden könnte. Was er selbst durch seine Teleskope entdecken und ablichten könne, dem seien keine Grenzen gesetzt. „Es gibt unendlich viele Dinge da draußen, die ich sehen könnte“, sagt er. „Die einzigen Hürden bestehen lediglich daraus, was ich aus meinem Equipment und meinen Techniken heraushole. Deswegen versuche ich stets, mich, mein Können und meine Ausrüstung weiterzutreiben.“ Und das vor allem, in dem er viel Zeit in die Planung seiner Aufnahmen, dem Finden neuer Motive und dem Erlernen von Astronomie- und Foto-Software investiert. Er verbringe daher fast genauso viel Zeit am Rechner und Smartphone wie an seinen Teleskopen.

Die Lichtverschmutzung macht die Arbeit schwierig

Wirklich einfach ist das Fotografieren der Gestirne für Andrew McCarthy selbst bei viel Vorarbeit und Planung nicht immer. Wie viele andere Astrofotografen und Astronomen stößt er auf die Lichtverschmutzung – also das künstliche Licht von Städten –, die den Nachthimmel aufhellt und das Sehen von Sternen erschwert. „Es ist definitiv ein Problem“, sagt McCarthy. Zwar würde das künstliche Licht, das in der Atmosphäre gestreut wird, die Sterne nicht gänzlich verdecken – selbst wenn es mit bloßem Auge so scheine –, aber sie in der Lichtsuppe untergehen lassen. Er müsse daher „Stunden und Stunden“ an Aufnahmen sammeln, um „beginnen zu können, die Lichtsignale [der Sterne] vom Rauschen der Lichtverschmutzung zu trennen“, sagt er. „Es ist schmerzhaft, aber machbar.“

Eines Tages, das stelle ich mir vor, würde ich die Erde gerne von einer Basis auf dem Mond aus fotografieren.

Auch daher experimentiert und spielt McCarthy gerne mit Möglichkeiten abseits der eigentlichen Fotografie, um seine Leidenschaft für das All auszuleben. Beispielsweise hat er in Handarbeit eine Illustration erstellt, die zeigt, wie der Mond nach einem Terraforming ausschauen könnte. Wenn der Erdtrabant also mit einer Atmosphäre, Wasser und Pflanzen zu einem erdähnlichen Lebensraum gemacht würde. „Es ist witzig, zu sehen, wie die mit Wasser gefüllten Kratzer und erkennbaren Formationen plötzlich in einem neuen Licht erscheinen“, sagt er. Ebenso hat er für den Crowdfunding-Fantasy-Film Feystrom den fiktiven Planeten Empyrean erschaffen, der aus einigen seiner Weltraumaufnahmen besteht.

Dennoch bleibe seine Leidenschaft das Fotografieren. Und dafür will er zukünftig auch mehr herumreisen. Nicht nur, um der Lichtverschmutzung zu entkommen, sondern auch, um astronomische Ereignisse einzufangen und die Orte, an denen der Sternenhimmel am besten zur Geltung kommt. Der größte Traum von Andrew McCarthy ist deswegen auch, dass die Menschheit möglichst bald und möglichst weit ins All vorstößt und neue Himmelkörper bevölkert. „Eines Tages, das stelle ich mir vor“, sagt er, „würde ich die Erde gerne von einer Basis auf dem Mond aus fotografieren.“

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