Schon bald soll der Bau der chinesischen Raumstation beginnen

Nach Jahren der Planung und Vorarbeit soll in diesem Jahr die Arbeit an der chinesischen Raumstation beginnen. Die ersten Raketenstarts sind bereits angesetzt. Bis 2022 soll die Raumstation fertiggestellt werden.

Von Michael Förtsch

Seit über 20 Jahren schwebt die International Space Station im Orbit der Erde. Wie lange sie noch weiter genutzt werden kann und soll, das ist seit Jahren immer wieder Teil einer lebhaften Debatte. Denn es kostet Milliarden, sie zu unterhalten und es wird immer schwieriger, ihre Technik und Struktur zu warten. Bis etwa 2030 könnte sie noch im Dienst bleiben. Dann könnte tatsächlich Schluss sein, wenn nicht ein privater Käufer sie übernehmen will. Bis dahin dürfte ohnehin eine ganz neue Raumstation die Erde umkreisen. Denn China will in diesem Jahr mit der Arbeit an einer eigenen Raumstation beginnen. Allerdings wird diese wohl nur zögerlich für Astronauten anderer Nationen geöffnet.

Bereits in den 1990ern fasste China den Plan, über mehrere Schritte auf eine eigene Raumstation hinzuarbeiten. Dazu gehörte das Entwicklungsprogramm für ein Raumschiff, aus dem 1999 die Shenzhou hervorging, und eines für ein Weltraumlabor, das 2011 unter dem Namen Tiangong 1 in den Orbit gebracht wurde. 2016 folgte mit Tiangong 2 ein weiteres Raumlabor. Bereits zuvor begann auch die Konzeption eines Raumstationsystems nach dem Vorbild der ISS. Wie die ISS soll auch Chinas Raumstation aus einzelnen Modulen zusammengesetzt und erweitert werden können.

Das Kernmodul Tianhe soll in den vergangenen Monaten bereits alle nötigen Tests bestanden haben und wurde am vergangenen Freitag in einer Zeremonie für den geplanten Start übergeben. Bereits im Frühjahr 2021 soll das 22-Tonnen-Modul mit einer Langer-Marsch-5B-Rakete vom Kosmodrom Wenchang auf der Insel Hainan in den Orbit in eine Höhe von rund 370 Kilometern gebracht werden, berichtet SpaceNews. Derzeit werden die letzten Vorbereitungen vor dem Transport der Rakete zum Kosmodrom getroffen.

2022 soll sie fertig sein

Das 18 Meter lange Tianhe-Modul enthält die wichtigsten Systeme der zukünftigen Raumstation, die derzeit noch keinen klangvollen Namen hat. Zugleich ist es das zentrale Wohnmodul und soll Platz für drei Astronauten bieten. Nachdem es im Orbit platziert wurde, soll ein weiterer Start mit einem Versorgungsmodul erfolgen, das an die Station andocken soll. Daraufhin soll die erste bemannte Mission erfolgen – die erste für China seit 2016. Die Crew soll für mehrere Monate in dem Modul arbeiten, die Zuverlässigkeit und Einsatzfähigkeit von Systemen wie den Solarmodulen und einem Roboterarm an der Außenseite testen. Dabei soll es auch zu einigen Weltraumspaziergängen kommen.

Geht alles nach Plan, soll die Station nach diesen initialen Missionen schnell wachsen und ausgebaut werden. In einer T-förmigen Struktur sollen bis 2022 zwei Forschungsmodule angebracht werden, die dann ähnlich der Raumstation MIR genug Arbeits- und Wohnfläche für sechs Astronauten bieten können. Dafür werden insgesamt elf Raketenstarts veranschlagt. Damit soll die Bauphase auch zunächst abgeschlossen sein. Jedoch könnten später theoretisch weitere Module folgen, die die Station vergrößern lassen.

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Genutzt werden soll die chinesische Raumstation nach den öffentlichen Plänen der chinesischen Regierung vor allem für wissenschaftliche Experimente. Unter anderem soll mit verschiedenen biologischen und chemischen Stoffen in der Schwerelosigkeit experimentiert werden. Ebenso soll dokumentiert werden, welche Auswirkung das Leben im All auf die physische und psychische Gesundheit der Crew hat – und ob etwa auch traditionelle Chinesische Medizin gegen etwaige negative Einflüsse des Aufenthalts im All helfen kann. Es sind ebenso Studien zur kosmischen Strahlung, der irdischen Magnetosphäre und auch Antriebssystemen geplant.

Die Raumstation soll vorerst nur von einer chinesischen Besatzung und für chinesische Interessen genutzt werden. Allerdings gibt es durchaus Kooperationen. Unter anderem wurde bereits ein Abkommen mit der italienischen Raumfahrtagentur Agenzia Spaziale Italiana unterzeichnet, um bei medizinischen Belangen zusammen zu arbeiten. Die ESA geht davon aus, irgendwann Astronauten aus der EU auf die neue Raumstation schicken zu können und auch die Vereinten Nationen glauben an gemeinsame Projekte und Missionen.

Teaser-Bild: CNSA

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