Neon Genesis Evangelion

Seit Freitag ist die Anime-Saga Neon Genesis Evangelion auf Netflix verfügbar – und damit das erste Mal seit Jahren legal online. Die Serie (plus die zwei nachgeordneten Filme, die ein alternatives Ende zeigen) ist mehr als nur eine dumpfe Riesenroboter-gegen-Monster-Schlacht, sondern im höchsten Maße ein Abtauchen in philosophische, religiöse, existentialistische und psychologische Gefilde.

Oberflächlich geht es um den Kampf der Menschheit gegen sogenannte „Engel“, Kreaturen, die in teils äußerst abstrakten Formen auftauchen, und Zerstörung bringen. Die einzig sinnige Waffe der Menschen sind die Evangelion, riesige humanoide Wesen, die aus dem genetischen Material von zwei uralten Entitäten – Adam und Lilith – geschaffen, wurden, die offenbar vor Milliarden Jahren auf der Erde gelandet sind. Die Evangelion werden, um sie kontrollieren zu können, mit einer Panzerrüstung versehen und mit einem Piloten bemannt, der mit einer Kapsel ins Rückenmark der Wesen eingeführt wird. Gesteuert werden können sie aber nicht von jedem, sondern nur von Kindern, deren Gedankenmuster mit denen des Evangelion synchron laufen: einer von ihnen ist der junge Shinji Ikari, dessen Vater die Organisation NERV leitet, die die Evangelion kontrolliert.

Doch bald geht es nicht mehr nur um den Kampf gegen die Engel, sondern auch gegen SEELE, eine Organisation, die auf den sogenannten Third Impact hinarbeitet; eine prophezeite Vereinigung von Adam und Lilith, die gleichzeitig die Menschheit auf eine neue Evolutionsstufe heben soll – eine, bei der sich die Menschen von ihren Körpern lösen und ihre Seelen zu einem gottgleichen Wesen verschmelzen.

Tatsächlich beginnt Neon Genesis Evangelion wie ein typischer Anime aber wird über den Handlungsverlauf hinweg zunehmend zu einer Dekonstruktion des Mecha-Genres und auch religiöser Vorstellungen. Viele Bilder, Symbole und Handlungsstränge lassen sich als Metaphern verstehen. Es geht um die Beziehung der Menschen zur Technik; Massenvernichtungswaffen, physische und psychologische Selbstzerstörung; den Chancen und Gefahren des Transhumanismus und der beinahe schon religiösen Kraft, die der Technologie innewohnt.

Neon Genesis Evangelion ist nicht sonderlich einfach wegzuschauen. Vor allem die letzten Episoden wirken gerne wirr, sind überladen von surrealen Bildern und Zeichen, die nicht einfach zu deuten sind – und Deutungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche, wie Youtube und sogar fachliche Abhandlungen beweisen.

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