Gibt es Leben auf der Venus? Forscher haben einen Hinweis dafür gefunden

Wissenschaftler suchen seit Jahren nach Zeichen für Leben in unserem Sonnensystem – und schauten dafür vor allem in Richtung des Mars und der Jupiter-Monde. Doch nun gibt es Hinweise, dass in der Atmosphäre der Venus einfaches Leben existieren könnte.

Von Michael Förtsch

Die Venus ist eigentlich kein Planet, der allzu einladend ausfällt. Nach Messungen der Sonde Venera 7 herrschen dort Temperaturen von 450 bis über 470 Grad Celsius. Die Atmosphäre besteht zu 96 Prozent aus CO2 – dazu kommen Chlor, Schwefel und andere Gase. Der Oberflächendruck ist 90-mal höher als auf der Erde und die Oberfläche selbst ist karg, ohne Gewässer und sie glüht – was jedoch nicht mit dem Auge wahrnehmbar ist. Dennoch existieren offenbar mikroskopische Formen von Leben, die sich dort ganz wohl fühlen. Das meint jedenfalls eine Gruppe von Astronomen und Astronominnen um Jane Greaves von der Cardiff University, des Massachusetts Institute of Technology und mehrerer anderer astronomischer Forschungseinrichtungen. Sie hat, wie sie in einer Studie im Fachmagazin Nature beschreibt, in der mittleren Atmosphäre der Venus mit Monophosphan ein seltenes Gasmolekül entdeckt, das als Indikator für Leben gilt.

Entdeckt wurde das Monophosphan bereits 2017 bei Beobachtungen mit dem James Clerk Maxwell Telescope des Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaii und der Atacama Large Millimeter Array, das von der Europäischen Südsternwarte, dem National Radio Astronomy Observatory und dem National Astronomical Observatory of Japan betrieben wird. „Als wir in den Messergebnissen die ersten Anzeichen für Phosphin in der Venus-Atmosphäre sahen, war das für uns ein Schock“, sagt Jane Greaves. Das Vorkommen eines Moleküls allein ist kein Hinweis auf außerirdisches Leben. Jedoch lässt sich Monophosphan auf der Erde nur auf technische Weise und unter hohem Energieaufwand erzeugen. Oder eben mittels Mikroben, die es in von Sauerstoff freien Umgebungen produzieren – beispielsweise in Mooren, abgeschlossenen Höhlensystemen oder den Verdauungstrakten von bestimmten Tierarten.

Wir haben wirklich alle bekannten Wege überprüft, durch die Monophosphan auf Felsplaneten entstehen könnte.
Janusz Petkowski

„Es ist eine Kombination, die nur sehr schwer zu erzeugen ist“, sagt Clara Sousa-Silva vom MIT. Auch in der Atmosphäre der Venus ist das Monophosphan mit gerade einmal zwanzig Molekülen pro einer Milliarde Teilchen nicht sonderlich verbreitet. Aber auch in einer solch geringen Konzentration, meint die Forschergruppe, könne es nicht auf rein abiotisch natürlichem Wege entstehen. Zumindest gebe es „keinen chemischen oder geologischen Prozess auf der Venus“, von dem man wisse, dass er es in solchen Mengen hervorbringen kann, wie Janusz Petkowski vom MIT erklärt. „Wir haben wirklich alle bekannten Wege überprüft, durch die Monophosphan auf Felsplaneten entstehen könnte.“ Darunter Blitze, Vulkanausbrüche oder auch Mikrometeoriten.

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Als wir in den Messergebnissen die ersten Anzeichen für Phosphin in der Venus-Atmosphäre sahen, war das für uns ein Schock.
Jane Greaves

Kein Beweis für Leben, aber ein Hinweis

Laut den Forschern gebe es für die Erklärung des Vorkommens von Monophosphan in der Atmosphäre der Venus zwei mögliche Optionen. „Unsere Entdeckung bedeutet entweder, dass es dort Leben gibt, oder, dass physikalische oder chemische Prozesse existieren, die wir auf Felsplaneten bislang so nicht erwartet haben“, sagt Petkowski. Das Team behauptet daher nicht, dass es Leben gefunden hat, sondern dass Leben eine Möglichkeit ist. Daher begrüßen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen es, wenn Forscherkollegen ihre Resultate aufgreifen und versuchen, alternative Erklärungsansätze zu finden, die sie selbst möglicherweise übersehen haben.

„Wenn wir hier tatsächlich Leben jenseits der Erde gefunden haben, so verleiht das unserer eigenen Existenz eine neue Perspektive“, sagt Clara Sousa-Silva vom MIT. „Es sagt uns aber auch, dass das Leben sehr viel häufiger ist, als wir bislang angenommen haben. Dann gäbe es eine gewaltige Menge an Möglichkeiten in unserer Galaxie. Möglichkeiten für Leben mit unterschiedlicher Biochemie und unterschiedlichen Ansprüchen.“

Erste Forschungskollegen haben die Möglichkeit von Leben in der Atmosphäre der Venus anerkannt. Andere mahnen allerdings zur Vorsicht und vor verfrühten Sensationsmeldungen. Beispielsweise meint Sarah Hörst von der Johns Hopkins University, dass lange auch das Vorkommen von Kohlenmonoxid auf dem Saturnmond Titan unerklärlich gewesen und als Zeichen für Leben gesehen worden war.

Erst nach fast drei Jahrzehnten sei entdeckt worden, dass der benachbarte Mond Enceladus dafür verantwortlich ist. Daher könne es durchaus eine andere Erklärung geben, auf die bislang nur noch niemand gekommen ist. Laut Sousa-Silva ließe sich das aber durchaus überprüfen – nämlich mit einer Mission zum Felsplaneten. Denn: „Glücklicherweise ist die Venus direkt um die Ecke“, sagt die MIT-Forscherin. „Also können wir hingehen und nachschauen.“

Teaser-Bild: JAXA

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