Facebook beurteilt Jetzt-Artikel über Facebook als Clickbait – und drosselt das Magazin

Hier eine bizarre Geschichte bei den Kollegen bei Jetzt.de. Die hatten den Text „Neues Facebook-Logo sorgt für Spott“ über das neue Company-Logo von Facebook geschrieben und natürlich auf Facebook geteilt. Daraufhin hat das Redaktionsteam den Hinweis erhalten, dass der geteilte Artikel gegen FB-Richtlinien verstoße – nämlich gegen die Richtlinie gegen Clickbait-Artikel, die prinzipiell eine echt gute Sache ist. Daraufhin wurde folglich die Reichweite von Jetzt im Social Network gedrosselt. Das Team hat Widerspruch eingelegt. Der wurde angeblich geprüft aber abgelehnt.

Facebook wirft jetzt vor, dass wir Clickbait geteilt hätten, also Inhalte, die nicht einhalten, was die Überschrift verspricht. Nach dem zweiten Verstoß wurde die komplette Seite gedrosselt. Dabei geht es um die Postings zu zwei Texten: ein Artikel über LGBTQ-Proteste gegen die Fast-Food-Kette „Chick-fil-A“ und ein Text, der spöttische Reaktionen auf ein neues Unternehmenslogo sammelt – das neue Logo von Facebook.

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Natürlich ist kein Medium gezwungen, eine Facebook-Seite zu betreiben. Man könnte argumentieren, dass Facebook auf seiner Plattform Hausrecht hat und frei entscheiden kann. Das stimmt aber nicht: Auch Facebook muss sich an die Regeln halten, die es sich und seinen 2,5 Milliarden Nutzern gibt. Die Gemeinschaftsstandards und Nutzungsbedingungen gelten für beide Seiten, Facebook darf nicht willkürlich blocken, löschen und drosseln.

Oh, dabei muss noch erwähnt werden: Auch einem Artikel mit dem Titel „Fast-Food-Kette schließt nach Protesten die einzige Filiale in Europa“ wurde schon Clickbait-Charakter unterstellt.

Die Redaktion hat ihre Odyssee und Erkenntnissuche mal aufgeschrieben, liefert dabei zwar nichts, was nicht eigentlich schon bekannt wäre, aber zeichnet gut nach, was für eine kafkaeske Black Box die Aufmerksamkeits- und Expositionsmaschine Facebook eigentlich darstellt, wenn es Probleme gibt.

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Das zeigt mal wieder, dass digitale Infrastrukturen, die die Distribution von Information in dieser Größenordnung quasi als Monopol bewerkstelligen, auf andere Grundpfeiler gestellt werden sollte. Entweder gleiche Regeln für alle und zwar transparent über möglicherweise eine dem Staat gehörende Infrastruktur, oder einfach massiv dezentral und offen für alle (aber idealerweise mit anpassbaren Spielregeln - wo man wieder ins Governance-Dilemma kommt)…

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