Eine Flotte von Robo-Schiffen soll die Tiefen der Weltmeere kartographieren

Die Weltmeere bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche. Dennoch ist immer noch erstaunlich wenig über sie bekannt – vor allem darüber, was in der Tiefe passiert. Eine Flotte aus Roboterschiffen soll das nun ändern. Sie soll unter dem Namen Seabed 2030 die bisher genauesten Karten der Ozeane erstellen.

Von Michael Förtsch

Wer Google Earth aufruft, dann über die Ozeane schwenkt und hinein-zoomt, der kann Inseln und manchmal sogar Schiffe entdecken. Tatsächlich haben Satellitenaufnahmen in den vergangenen Jahrzehnten immens dazu beigetragen, die riesigen Wasserflächen zu kartieren, die die Erde bedecken. Vor allem die Strukturen von Küstenlinien und Inseln sind so gut bekannt und nachvollziehbar wie nie zuvor. Dennoch weist das Karten- und Bildmaterial der Ozeane gigantische Lücken auf. Weite Teile des bekannten Bildmaterials des Atlantiks und des Pazifiks sind nur sehr niedrig aufgelöst, wenige Pixel bilden da mehrere Kilometer an Wasserfläche ab und lassen keine Details erkennen.

Die größten Rätsel gibt aber immer noch das auf, was sich unter der Wasseroberfläche versteckt. Rund 80 Prozent des Ozeanbodens sind bis heute komplett unerforscht. Eine Initiative namens Seabed 2030 soll das nun ändern. Dahinter stehen die Meereskartierungsorganisation General Bathymetric Chart of the Oceans und die Nippon Foundation, eine Non-Profit-Organisation. Unterstützt wird die Unternehmung vom US-amerikanische Unternehmen Ocean Infinity, das mit Schiffen und U-Booten hochaufgelöste Bilder des Meeresgrundes anfertigt – beispielsweise, um Standorte für Förderplattformen oder auch Schiffswracks ausfindig zu machen. Ocean Infinity half auch bei der Suche nach den Überresten des Flugs MH370.

Möglich werden soll die breite Kartierung der Ozeane und der Ozeanböden durch eine ganze Flotte von Roboterbooten – oder: Uncrewed Surface Vessels –, die Ocean Infinity konzipiert hat. Die kleinsten davon sollen rund 21 Meter lang sein, die größeren bis zu 37 Meter. Abgesehen von einer fehlenden Brücke, einem hohen Funkmast und Radarkuppeln, mit denen sie ihre Umgebung sehen, sollen sie wenig anders als kleine Frachtschiffe ausschauen. Sie sollen weitestgehend selbstständig über die Meere fahren können. Jedoch wird eine Leitstelle ihre Position überwachen und eingreifen, wenn nötig. Das Personal dafür soll in Austin, Texas, und Southampton an der Südküste von England sitzen.

Aus den Schiffen soll eine ganze Armada werden

Laut Oliver Plunkett, dem Chef von Ocean Infinity, sollen bereits die ersten elf Roboterschiffe in Auftrag gegeben worden sein, die mit verschiedensten Sensoren, Radar- und Sonartechnik in 3D-Modellen festhalten, wie die Welt unter ihrem Bug ausschaut. Ebenso sollen sie Tauchroboter an Bord haben, die ausgesetzt werden können. Bis zu 6.000 Meter würden sie mit alldem in die Tiefe schauen, verspricht Plunkett. Damit sollen sie gleichsam Schäden an Unterwasser-Piplines oder Kommunikationskabeln feststellen oder den Meeresboden auf seine genaue Beschaffenheit hin untersuchen können, um etwa zu bestimmen, ob er für Off-Shore-Windfarmen geeignet ist. Dank Satellitenkommunikation sollen die entsprechenden Daten in Echtzeit in der Leitstelle landen.

Damit die durch einen Diesel-Hybrid-Motor angetriebenen Schiffe nicht nur Daten sammeln, sondern auch sonst einen Nutzen haben, sollen sie auf ihren Touren nebenher Fracht transportieren. Zumindest Fracht, die nicht ganz so eilig irgendwo hin muss – beispielsweise Öl, Elektronikhardware oder Ersatzteile. Denn die Schiffe sind nur mit gut 22 Kilometern pro Stunde unterwegs und fahren Routen ab, die vor allem für die Kartierungsmission ideal gelegen sind. Die größten Schiffe sollen allerdings bis zu 60 Tonnen an Zusatzgewicht aufnehmen können.

Bereits Ende des Jahres sollen die ersten Robo-Schiffe einsatzbereit sein – und könnten dann unmittelbar mit der Arbeit beginnen. Geht es nach Ocean Infinity sollen aus den elf Schiffen wenig später 15, und dann, in den kommenden Jahren, eine ganze Armada werden. Die soll bis zum Ende des Jahrzehnts den kompletten Meeresboden kartografieren.

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