Ein chinesisches Start-up will testen, ob Asteroidenbergbau funktioniert

Asteroiden sind mehr als nur Felsen. Sie beherbergen große Mengen an seltenen Mineralien und Metallen. Ein chinesisches Unternehmen arbeitet nun an einem Plan, diese zu ernten. Im kommenden Monat soll ein Satellit gestartet werden, der Technologien testen soll, die dafür nötig sind.

Von Michael Förtsch

Die Rohstoffe auf der Erde sind begrenzt. Genau das macht viele Edelmetalle und seltene Erden so begehrt und teuer. Aber im Weltraum kommen viele der Ressourcen zuhauf vor. Zum Beispiel in Asteroiden, die immer wieder durch unser Sonnensystem ziehen und zu Hunderttausenden in einem Gürtel zwischen Mars und Jupiter kreisen. Sie müssten nur abgeerntet werden. Ein chinesisches Unternehmen will nun einen ersten Schritt machen, um das zu ermöglichen. Im November will das in Peking gegründete Start-up Origin Space einen „Raumfahrt-Bergbau-Roboter“ ins All schießen.

Bei NEO-1 handelt es sich jedoch eigentlich um einen Satellit, der an der Spitze einer Langer-Marsch-Rakete in die Erdumlaufbahn getragen werden soll. Bergbau soll er dort aber noch nicht betreiben – auch weil ihm die entsprechende Ausrüstung fehlt. Stattdessen soll er in 500 Kilometern Höhe die Erde umkreisen. Dabei werden von der Erde aus die technischen Funktionen und mehrere autonome Systeme von NEO-1 getestet, die es für einen echten Bergbau-Roboter braucht. Beispielsweise soll der rund 30 Kilogramm leichte Robotersatellit mittels kleiner Steuerdüsen mehrere Flugmanöver absolvieren, mit Sensoren andere Objekte in der Umlaufbahn identifizieren und das „Einfangen“ eines Asteroiden simulieren.

Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, soll bereits 2021 ein weiterer Start mit einem weiteren Satelliten erfolgen. Der wird den Namen Yuanwang-1 – zu Deutsch: Nachschauen-1 – tragen. Dabei handelt es sich wiederum um ein Weltraumteleskop, das entwickelt wird, um Asteroiden in Erdnähe, sogenannte Erdbahnkreuzer, auszumachen und optisch zu verfolgen. Nach Yuanwang-1 will Origin Space dann eine direkte Nachfolgemission zu NEO-1 starten – bereits Ende 2021 oder Anfang 2022. Die soll den Mond ins Fadenkreuz nehmen. Eine Sonde soll dessen Oberfläche beobachten – und womöglich ein Landemanöver versuchen. Wie Yu Tianhong, einer der Gründer von Origin Space gegenüber IEEE Spectrum sagte, seien die Pläne für die NEO-2-Mission aber noch nicht final ausgearbeitet.

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Bisher sind Asteroidenbergbau-Start-ups gescheitert

Origin Space wurde 2017 gegründet und ist eines von zahlreichen Unternehmen, die sich dem Rohstoffabbau im Weltraum widmen wollen. Denn laut verschiedenen Studien könnte, sollte der Abbau von Asteroiden gelingen, ein Billionen-Euro-Geschäft entstehen, das die Kosten für Batterien, Computer- und Telekommunikationsgeräte drastisch senken würde. Zumindest theoretisch. Denn bislang konnte keines der Unternehmen, das bisher versprochen hatte, als erstes einen Asteroiden abzuernten, Erfolge vorweisen.

Planetary Resources war eine der ersten Firmen, die Asteroidenbergbau betreiben und dafür entsprechende Sonden und Maschinen entwickeln wollte. Ende 2014 wollte das Start-up einen Nanosatelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Der wurde jedoch bei der Explosion der Trägerrakete zerstört. Ein Weltraumteleskop, das seit mehreren Jahren geplant war und mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert werden sollte, wurde 2016 aufgegeben. Allerdings gelang es 2018 den Satelliten Arkyd-6 zu starten, um Energie-, Kommunikations- und Steuersysteme für einen geplanten Beobachtungssatelliten zu testen. Im selben Jahr wurde das Start-up von der Blockchain-Firma ConsenSys aufgekauft. Ob und wie Pläne nun weitergeführt werden, ist unklar.

Das Start-up Deep Space Industries, das ebenfalls Technologie bauen wollte, um auf Asteroiden Rohstoffe zu fördern, wurde 2019 vom Luft- und Raumfahrtunternehmen Bradford Space aufgekauft. Der Fokus liegt nun auf der Entwicklung von kompakten Satelliten- und Antriebssystemen. Die sollen zukünftig die Erkundung des Sonnensystems vereinfachen und es Privatunternehmen ermöglichen, günstig Forschung im All zu betreiben. Wobei Bradford Space nicht ausschließen will, dass die Bergbaupläne von Deep Space Industries irgendwann wieder aufgegriffen werden könnten, wenn sich entsprechende Partner finden.

In den kommenden Jahren könnten Weltraumbergbau-Start-ups trotz dieser Rückschläge eine Renaissance erleben – zumindest in den Vereinigten Staaten. Denn erst im April 2020 hatte US-Präsident Donald Trump eine sogenannte Executive Order erlassen, die es erlaubt, Ressourcen und Rohstoffe im All abzubauen und nutzbar zu machen. Die US-Regierung sehe den Weltraum nicht als öffentliches Gut, sondern als nutzbares Gebiet von US-Interesse. Der Erlass Encouraging International Support for the Recovery and Use of Space Resources soll die kommerzielle Erschließung und Entwicklung durch US-Firmen befördern.

Teaser-Bild: Getty Images / Maciej Frolow

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