Dieses Auto soll für euch Bitcoin schürfen, während es parkt

Ein kanadischer Fahrzeugbauer hat einen Sportwagen vorgestellt, der beim Parken nicht nur nutzlos herumsteht, sondern Geld verdient. Denn der im Auto verbaute Computer soll Kryptowährung schürfen, wenn er nichts zu tun hat. Dank Solarpaneelen soll das auch noch umweltfreundlich geschehen.

Von Michael Förtsch

Moderne Autos werden zunehmend klüger . Denn auch wenn selbstfahrende Fahrzeuge bei weitem noch nicht so weit sind, wie es Start-ups und etablierte Autobauer immer wieder versprechen, werden doch immer mehr Aufgaben von Computern übernommen. Dadurch haben vor allem Elektrofahrzeuge immer mehr Rechenkraft unter der Haube und gleichen eher Computern auf Rädern. Geht es nach Aldo Baoicchi darf diese computing power aber nicht ungenutzt bleiben, wenn ein Wagen über Nacht in der Garage oder für eine Weile auf dem Supermarktparkplatz steht. Der Gründer des kanadischen Mobilitätsunternehmens Daymak will daher, dass Autos, wenn sie nicht fahren, für ihre Besitzer Geld verdienen.

Daymak wurde 2002 gegründet und baut und vertreibt bislang vor allem futuristisch ausschauende E-Bikes und Elektro-Roller. Ab 2023 soll mit dem Spiritus jedoch das erste und natürlich weitgehend autonome E-Auto aus der Fabrik rollen, ein sportlicher Zweisitzer mit drei statt vier Rädern. Der ungewöhnliche Flitzer soll, wenn er stillsteht, seine ungenutzte Rechenkraft einsetzen, um Kryptowährungen zu schürfen. Beispielsweise Bitcoin, Ether, Dogecoin oder Litecoin. „Wir haben das nötige Equipment im Auto“, sagt Aldo Baoicchi gegenüber WIRED . Statt die Hardware einfach abzuschalten, erklärt er, „dachten wir uns, könnten wir genauso gut Mining betreiben und etwas Geld für den Fahrer erwirtschaften“.

Der für das Mining nötige Strom soll aber nicht nur aus der heimischen Steckdose oder von Ladesäulen kommen. Stattdessen soll der Spiritus ganz ähnlich wie der Sion des deutschen Auto-Start-ups Sono Motors auch über Solarzellen in der Karosserie verfügen, die das energieintensive und daher durchaus umstrittene Mining von Kryptowährungen etwas grüner machen. Geht es nach Aldo Baoicchi sei diese Funktionalität nicht nur eine Spielerei, sondern eine Investition in die Zukunft. Die 2020er-Jahre wären die Ära der Blockchain-Revolution, meint Aldo Baoicchi. In wenigen Jahren „wird jeder mit Krypto bezahlen, und wir bauen Autos, bei denen das einfach schon mitgedacht ist“, so der Gründer.

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Bereits viele Vorbestellungen

Dass der Wagen tatsächlich Geld verdienen kann, das will der Autobauer auch beweisen. In einem Livestream schürfte ein Prototyp seit dem 29. Juni verschiedene Kryptowährungen, die in einer fahrzeugeigenen Brieftasche gespeichert werden. Bislang soll das Auto auf diese Weise durchschnittlich um die 10 US-Dollar pro Tag erwirtschaften. Krypto-Experten wenden jedoch ein, dass diese Demonstration auch etwas Augenwischerei sei. Denn bei Kryptowährungen wie Bitcoin wird das Mining über die Zeit durch komplexer werdende Mining-Prozesse auch schwieriger, weshalb immer stärkere Computer nötig sind. Dadurch könnte der Wagen womöglich schon nach nur wenigen Jahren überholt sein. Es sei denn der Käufer setzt eben nicht auf populäre Kryptowährungen, sondern auf weniger attraktivere, aber noch einfacher zu schürfende Währungen.

Das Konzept scheint dennoch einige durchaus zu überzeugen. Bisher sollen Spiritus-Exemplare im Wert von 350 Millionen US-Dollar vorbestellt worden sein. Und bezahlt werden können die bei Daymak natürlich nicht nur in Fiatgeld, sondern auch mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Cardano oder Dogecoin. Das Basismodell soll rund 20.000 US-Dollar kosten. Für eine Ultimate-Fassung mit stärkerem E-Motor und besonders hoher Reichweite sollen hingegen 150.000 US-Dollar verlangt werden.

Dass parkende Elektroautos durchaus einen Sinn haben können, das meinen auch Infrastrukturforscher. Jedoch wollen sie nicht, dass ungenutzte Elektrofahrzeuge irgendwelche Kryptowährungen erwirtschaften, sondern das Stromnetz stabilisieren. Denn angeschlossen an Ladesäulen oder die heimische Steckdose können moderne E-Autos nicht nur Energie tanken, sondern auch abgeben. Damit können Tausende von parkenden Elektroautos als eine Art riesige Back-up-Batterie funktionieren, die, wenn etwa bei Windparks eine Flaute herrscht, an Regentagen Solarparks weniger Strom liefern oder aus irgendeinem Grund gerade alle Menschen ihren Fernseher anschalten, genug elektrische Energie in das Netz abgibt, um diese Schwankungen auszugleichen. Liefern erneuerbare Energien gerade überschüssigen Strom, den niemand verbraucht und der bisher einfach verloren ist, könnte dieser in der dezentralen E-Auto-Flotte gespeichert werden. Dadurch könnte das Stromnetz auch besser ausgelastet werden.

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