Die Kultur der (Online) Kommunikation

Online Kommunikation

Wie wir im Netz und bei Twitter besser miteinander kommunizieren könnten. Ein kleiner persönlicher Rant mit ein paar #CLICKBAIT Tipps zu besonnenem Miteinander.

Durch die (vermeintliche) Anonymität herrscht bei der Kommunikation im Netz, in „sozialen Medien“, Foren und überall sonst, wo Menschen digital aufeinandertreffen, oft ein sehr rauer Ton. Schnell werden andere User beleidigt, beschimpft oder belästigt.

Vor allem bei meinem Noch-Lieblingsnetzwerk Twitter fällt mir in den letzten Tagen und Wochen immer mehr auf, dass sich die Kommunikation auch dort in den letzten Jahren sehr verändert hat.

Der heutige Beitrag ist daher ein kleiner Rant. Es geht um die „gute alte Zeit“ bei Twitter und um Kommunikation generell. Was ich zu sagen habe, ist zwar auf Twitter bezogen, gilt aber auch für andere Netzwerken oder sogar im „wahren Leben“. Legen wir los.

Früher war alles besser. Zumindest bei Twitter.

Manche von Euch werden sie noch kennen, die lockeren Zeiten bei Twitter.

Es gab Sterne statt Herzen, ReTweets musste man noch händisch machen, Bilder konnte man nicht in den Tweet integrieren, man nutzte dafür TwitPic, und GIFs und Threads gab es sowieso nicht. Außerdem natürlich die 140 Zeichen anstatt der 280.

Verglichen mit heute war Twitter eine Wohlfühloase. Das Wort „Filterblase“ war hier sehr viel realer als noch heute, denn man war gefühlt unter sich.

Es gab zwar schon ein paar Accounts von Zeitungen, Zeitschriften und Medienhäusern, aber primär waren bei Twitter die Bekloppten und Verrückten, im allerbesten positiven Sinne, zuhause. Und wir fühlten uns wohl so.

Es war wie ein großer Freundeskreis an vielleicht etwas seltsamen, aber sehr lustigen und freundlichen Usern. Für mich wie ein Neu-Erleben des guten alten IRC Chats.

Einige von uns gingen einen Schritt weiter, wir haben uns im realen Leben (!) getroffen.
Es gab die Twittagessen, den Twittwoch, Twittertreffen zu den verschiedensten Themen oder ganz offen, egal. Jeder konnte kommen, jeder war willkommen.

Ich selbst habe diesem Netzwerk etliche lustige Abende, einige Kumpels, (wenige, aber immerhin) tolle Freundschaften und sogar ein paar tolle Kunden zu verdanken. Dafür bin ich dankbar, darüber bin ich froh.

Jeder gegen jeden. Nix kann und alles muss.

Heute dagegen muss man bei jedem Tweet aufpassen, was man sagt, weil sich sonst irgendjemand auf den Schlips getreten fühlen kann. Und sich auch irgendjemand auf selbigen getreten fühlt.

Klar, gegenseitige Rücksichtnahme ist gut und wichtig, versteht mich da nicht falsch. Persönliche Beleidigungen, Verleumdung, üble Nachrede, Hass oder verbale Gewalt geht alles natürlich gar nicht. Aber es würde allen Beteiligten sehr helfen, sich selbst etwas weniger ernst zu nehmen.

Oft gibt es nun mal nicht die einzige Wahrheit und auch Realität ist ja bekanntlich etwas, was man sich selbst schafft.

10 Tipps für mehr Spaß bei Twitter. Und im Leben.

Die meisten der Tipps sind eigentlich logisch, bei manchen Netz-Usern habe ich allerdings das Gefühl sie wären allesamt Neuland.

Ihr könnt euch die Tipps gerne ausdrucken und auf euren Bildschirm kleben, damit ihr sie immer seht, bevor ihr das Internet betretet.

  • Sich selbst weniger ernst nehmen hilft. Oft. Immer.
  • Diskussionen sind toll, sachlich bleiben hilft bei der Glaubwürdigkeit.
  • Behandle die anderen so, wie du auch behandelt werden willst.
  • Twitter hat eine tolle Funktion: „unfollow“ – nutze sie. Wenn das nicht reicht, gibt es auch noch „mute“ und „block“.
  • Wenn du eine andere Meinung hast, ist das total ok. Du musst sie den anderen aber nicht einbläuen.
  • Haben bestimmt deine Eltern auch schon mal gesagt, und sie hatten recht damit: Der Ton macht die Musik.
  • Toll wenn du dich für ein Thema einsetzt, das dich beschäftigt. Purer Hau-Drauf-Aktionismus nervt aber alle und führt dazu, dass dein Thema genauso nervt wie du.
  • Verhalte dich so als würde deine Mutter deine Tweets lesen. Gilt auch für Facebook-Posts oder Instagram-Fotos.
  • Philosophisch und wahr. Es gibt fast immer mehrere Wahrheiten und du hast den Anspruch nur auf deine eigene.
  • Wenn dich ein anderer User auf 180 bringt und hart nervt, geh einfach mal an die frische Luft, setz dich auf eine Schaukel. Antworte, wenn du wieder zurück bist.

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Disclaimer

Dieser Beitrag erschien mit viel mehr Rechtschreibfehlern zuerst in meinem eigenen kleinen Magazin auf https://www.johannesmairhofer.de/die-kultur-der-kommunikation-im-internet/ und wurde für 1e9 von @Wolfgang korrigiert und mit ein paar Tipps verbessert. Danke dafür. <3
Wenn ihr mögt, kommentiert gern diesen Beitrag oder schreibt mir direkt auf Twitter, wo ihr mich als @photonity findet.

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Die Zeiten bei Twitter habe ich tatsächlich verpasst. Ich bin erst dazu gekommen, als es zumindest noch eine schöne Börse für echt gute Leseempfehlungen, viele lustige Sachen und Breaking News war. Aber als ich das oben von dir gelesen habe, dachte ich mir: Wäre Twitter so nett und heimelig geblieben (von Facebook ganz zu schweigen), wären wir wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, 1E9 zu starten. Ein Hauptmotiv dabei war nämlich, dass wir das Gefühl hatten, dass uns die Räume, wo man nett und konstruktiv im Netz miteinander kommunizieren kann, irgendwie verloren gegangen sind…

Danke für den Text und die sehr guten 10 Tipps. Würde noch ergänzen:

  • Wenn dich jemand beleidigt, beschimpft oder das, was du so machst, schlecht macht: Versuche, es nicht persönlich zu nehmen. Die meisten Hater haben ein Problem mit sich, nicht mit dir. Du bist nur der Blitzableiter.
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ja das ist eine gute Ergänzung, danke.
Es stimmt, die Räume sind weniger geworden. Bin gespannt ob das hier so bleibt wenn es geöffnet wird. Bisher wirkt es ja tatäschlich so. Liegt vllt daran, dass es tendenziell eher ein „Fachmagazin“ ist und kein allgemeines Netzwerk wo jeder Depp reinschreiben kann was er will. Mal überspitzt gesagt :smiley:

1 Like

Der eklige Hass und die negative Stimmung auf Twitter liegen nicht nur daran, dass sich Leute auf den Schlips getreten fühlen, sondern auch den Schlips getreten fühlen wollen. Twitter ist heute vielmehr zu einem Erregungsraum geworden, in dem manche Menschen gezielt nach Provokationen und Möglichkeiten Ausschau halten, um sich selbst oder „ihre Sache“ zu profilieren. Dafür wird Wortspalterei betrieben, Dinge absichtlich missverstanden oder verdreht.

Manchmal passiert das durchaus im Zeichen einer guten Sache; aber oft auch einfach, um sich selbst Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Ebenso gibt es auf Twitter verdammt viel Häme. Auch sehr geschätzte und intelligente Menschen immer öfter kippen halbgare und mit viel ätzendem Sarkasmus und Zynismus durchsetze Tweets ab, weil das einfach schnelle Zustimmung, Retweets und Widerhall beschert.

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ja seh ich auch so. Sich für was einsetzen und vor allem für Themen die vllt nicht ganz so populär sind: total wichtig und gut. Aber einige schießen da halt auch weit übers Ziel hinaus :slight_smile: