Der Apple-Gründer Steve Wozniak hat ein Blockchain-Öko-Unternehmen gestartet

Der Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat ein Start-up gegründet. Mit seinem Unternehmen Efforce will er es Unternehmen mittels Blockchain-Technologie erlauben, ihre Energieeffizienz zu optimieren.

Von Michael Förtsch

Vor fast 45 Jahren gründeten Steve Jobs, Ron Wayne und Steve Wozniak die Firma Apple Computer, um zunächst den von Wozniak entwickelten Computer Apple I zu verkaufen. Erstmals wirklich erfolgreich wurde Apple aber erst mit dem ebenfalls von Wozniak entwickelten Apple 2, der mit seinem Erscheinen im Jahre 1977 für lange Zeit einer der erfolgreichsten Computer seiner Ära wurde. Doch nach einem Flugzeugabsturz, einer persönlichen wie auch beruflichen Krise zog sich Steve Wozniak im Jahre 1985 von Apple zurück – gilt aufgrund seines Status in der Firma aber bis heute als fester Angestellter. Nun hat der Computerentwickler ein neues Start-up gegründet. Mit dem will er ein Problem vieler Unternehmen angehen.

Eigentlich wurde das Unternehmen Efforce bereits vor einem Jahr gegründet, arbeitete aber bis jetzt im Geheimen. Das Start-up will eine dezentralisierte Plattform aufbauen, mit deren Hilfe sich Einzelpersonen und Unternehmen an „grünen“ Projekten beteiligen und dadurch ihre Klimaeffizienz verbessern können. Beispielsweise können Investoren einem Unternehmen Geld geben, das dadurch etwa auf LED-Beleuchtungen umschwenkt oder seine Büros dämmen lässt. Die Investoren kaufen dadurch eine Beteiligung an den zukünftigen Energieeinsparungen. Investoren wetten also darauf, dass ihr Investment zu einem grüneren Betrieb führt.

Laut Wozniak „haben der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen weltweit exponentiell zugenommen, was zu Klimaveränderungen und extremen Folgen für unsere Umwelt führt“. Es müsse also etwas geschehen. Ein guter Anfang wäre, Unternehmen dazu zu bringen, mehr zu tun. Aber „viele kleine Unternehmen haben es in diesen Zeiten schwer“ und können es sich nicht aus eigener Kraft leisten, Projekte zur Klimaeffizienz zu finanzieren. Mit Efforce soll man sie dabei unterstützen und auch noch davon profitieren können.

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Nicht das erste Woz-Start-up

Funktionieren soll Efforce durch die Ethereum-Blockchain. Denn die Nutzer geben nicht direkt Geld an die Unternehmen, sondern erwerben sogenannte Tokens auf der Plattform, die die zukünftigen Energieeinsparungen repräsentieren – und die genau wie Bitcoin einen realen Gegenwert entwickeln. Ebenso werden auf der Blockchain über Smart Contracts – kleine Programme auf der Blockchain – die Verbrauchs- oder Einsparungsdaten der Unternehmen manipulationssicher festgeschrieben. Dadurch soll sich über einen Handels- und Investitionsplatz nachprüfbar verfolgen lassen, welche positiven Folgen die eigenen Investitionen haben.

Die WOZX genannten Tokens sollen ebenso wie Bitcoin oder Ether gehandelt werden, im Wert steigen und fallen können. Das Team von Efforce, das neben Wozniak auch Öko-Unternehmer wie Jacopo Visetti umfasst, will dadurch die Hürde senken, um weltweit in Energieeffizienz zu investieren oder eine Finanzierung zu erhalten. Zunächst soll sich die Plattform auf Projekte konzentrieren, die die Auf- und Umrüstung von Büros, Fabrik- und Verkaufsstätten betreffen. Später sollen Nutzer jedoch auch in große Projekte investieren können – etwa die Umrüstung von Schiffsflotten auf saubere und energieeffiziente Antriebssysteme.

Efforce ist nicht das erste Start-up von Steve Wozniak. Bereits kurz nach seinem Ausscheiden bei Apple gründete er CL 9, ein Unternehmen, das mit CL 9 CORE die erste programmierbare Fernbedienung entwickelt hat. Doch bereits nach drei Jahren wurde CL 9 geschlossen und das Projekt an ein anderes Unternehmen verkauft. Die Fernbedienungen gelten heute als Sammlerstücke. 2002 startete Wozniak Wheels of Zeus, das einen smarten Schlüsselanhänger entwickelte. Ein Produkt veröffentlichte Wheels of Zeus nie, jedoch wurde die Technik von Motorolla lizenziert und später verkauft. Ebenso stand Wozniak hinter der Holding-Gesellschaft Acquicor Technology, das den Hardware-Entwickler Jazz Semiconductor aufkaufte und später wieder verkaufte. Dazu ist der Apple-Mitbegründer auch Co-Gründer der SiliCon, der ehemaligen Silicon Valley Comic Con, die wieder im Oktober 2021 stattfinden soll.

Teaser-Bild: Michael Förtsch

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Klingt für mich nach einem vielversprechenden Ansatz, der an einem wesentlichen Hindernis anpackt, denn

Und dann noch eine Win Win Situation, klingt fast zu schön, um wahr zu sein

Wo ist der Haken, was könnten die Hürden sein?

Ob die geschilderte Blockchain-Technologie dafür geeignet oder realistisch ist, kann ich nicht beurteilen…aber dafür gibt es hier sicher Experten :wink:

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Ein Haken ist: wann und von wem bekommen die Investoren ihren Return?

Klar, der Trend ist in grüne Anlagen zu investieren, oder in das Gegenteil zumindest nicht zu investieren und sein Geld abzuziehen. Dieser Trend wird stärker und man wird sich mehr grüne Anlagen suchen müssen. Da kommen solche Energieeffizienzprojekte sehr gelegen.

Aus Energieeffizienz und Umrüstung (wer übernimmt das? Sicher braucht es Partner…) ein Finanzmodell zu stricken ist smart - wenn es klappt. Man bewegt sich in der Umsetzung im Bereich der Handwerksbetriebe! Die sehen lieber echtes Geld als einen Token der volatil ist und bei nicht sachgemäßer Aufbewahren einfach weg ist.
Wann bekommen die Investoren ihr Geld wieder zurück und was ist die Mechanik der Vermehrung von „Geld“? Mir ist klar, dass ein effizienteres Gebäude einen Mehrwert im „grünen“ Sinne hat, aber der muss wiederum leider in Geld abgebildet werden. Dh das Unternehmen muss soviel Kostenersparnis haben, (und zumindest gleichbleibend gutes Geschäft), dass es in der Lage ist das Investment zurück zu zahlen inkl einer Verzinsung. Sonst gibts keinen Gewinn und man wird es einfach nicht machen…

Für mich ist der Blockchain usecase mit einem handelbaren Token eher wieder ein Crypto-Hype und Bubble Thema. Man sollte Investment, dass in Energieeffizienz geht trennen von der Wertvolatilität des frei gehandelten Tokens.

Ich befürchte in der aufkommenden neuen Welle werden alle Token zusammengenommen bald mehr Wert sein als das wozu sie da sind: echte Energieeffizienzgewinne…

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