Das chinesische Uber hat den ID3 von VW kopiert

Gemeinsam haben ein chinesischer Fahrzeughersteller und der asiatische Uber-Konkurrent Didi Chuxing ein Fahrzeug entworfen. Der als reines Car-Sharing-Fahrzeug entwickelte D1 gleicht jedoch auffällig dem Elektro-Kompaktwagen ID3 von VW.

Von Michael Förtsch

Auf dem Pariser Automobilsalon 2016 hatte Volkswagen mit seinem Konzeptauto ID gezeigt, wie es sich ein erschwingliches Elektroauto vorstellt: als eine Art futuristischen Golf. Diese Vision dann auch in ein alltagstaugliches Auto zu übersetzen war dann aber alles andere als leicht. Die Ingenieure von Volkswagen sollen vielfach Probleme mit der Elektronik und der Software gehabt haben. Aber seit Ende des letzten Jahres läuft der Wagen als VW ID3 in Zwickau vom Band. Auch in China wird – zumindest auf den ersten Blick – ein ID3 gebaut. Doch der Wagen stammt nicht von Volkswagen. Er scheint eine in Teilen sehr dreiste Kopie zu sein.

Der Wagen, der erst vor kurzem enthüllt wurde, trägt den Namen Didi D1. Er ist eine gemeinsame Entwicklung des gerne als „das Uber von Asien“ bezeichneten Ride-Sharing-Anbieters Didi Chuxing und BYD, einem der größten Fahrzeughersteller in China. Der D1 soll im Gegensatz zum ID3 nicht in erster Linie ein Fahrzeug für Privatpersonen sein, sondern wurde primär als Car-Sharing-Fahrzeug entworfen. Er soll mit einem Elektroantrieb ausgestattet sein, der rund 136 PS liefert. Ein großes Akku-Paket im Fahrzeugboden soll ihn rund 420 Kilometer weit bringen.

Auffallend ist aber insbesondere die Optik. Denn die erinnert unmittelbar an den VW ID3. Insbesondere die seitliche Linienführung der Karosserie scheint dem Wagen aus Wolfsburg nahezu Eins-zu-Eins nachempfunden. Ebenso deutlich kopiert sind Elemente wie die nach Innen versetzen Türschwellen, die aerodynamisch geschnittenen Felgen, die farblich abgesetzte C-Säule und auch die Form der Frontscheinwerfer nebst akzentuierenden LED-Bändern. Ein fast schon überdeutlicher Unterschied hingegen: Der D1 verfügt hinten statt Schwenk- über Schiebetüren, die das Einsteigen für Fahrgäste vereinfachen sollen.

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Bald auf den Straßen

Die optischen Auffälligkeiten blieben vor allem in sozialen Netzwerken nicht unbemerkt. Aber weder Didi Chuxing noch BYD haben sie adressiert. Zumindest BYD dürfte solche Kontroversen durchaus gewohnt sein. Der chinesische Konzern hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach mit derartigen Vorwürfen zu tun. Unter anderem hatte das Unternehmen mit dem BYD S6 einen Klon des Lexus RX, mit dem BYD F1 eine Kopie des Toyota Aygo und mit dem BYD F3 eine Dublette des Toyota Corolla produziert. Der BYD S8 war hingegen an der Front eine klare Nachbildung der Mercedes-Benz-Baureihe 230. Bei der Vorstellung des Elektroautos Han EV wurde BYD hingegen mit der Kritik konfrontiert, dass der Wagen von vorne sehr stark dem neuen Tesla Roadster und von der Seite dem Lucid Air gleiche.

Laut Didi Chuxing seien rund zwei Jahre Arbeit in die Planung des D1 geflossen. Dazu seien die Daten von 550 Millionen Passagieren und 31 Millionen Fahrern des Ride-Sharing-Dienstes ausgewertet worden, zitiert The Verge . Welchen Einfluss diese Daten genau auf die Gestaltung des Fahrzeugs hatten, wird allerdings nicht näher erläutert. Die ersten Exemplare des D1 sollen bereits im Dezember im Rahmen eines Testlaufs auf den Straßen der Metropole Changsha unterwegs sein. Ähnlich Tesla sollen die Wagen kontinuierlich Software-Updates erhalten – und dank bereits integrierter Sensoren und Kameras 2025 autonom fahren können.

Teaser-Bild: Didi

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