Auf in die Quantum-Kriege oder eine ungeahnte Möglichkeit zur Kooperation?

Die Tage hat Sifted einen interessanten Beitrag zum Thema Quantum-Computing veröffentlicht. Der Artikel geht auf die strategische Relevanz von Quantencomputern etwas ein und beschreibt, dass wir in Europa gar nicht so schlecht dastehen:

Europe has a good set of cards to play because it’s had a very strong track record of fundamental research, including in physics and maths

Hier ist ein Link zum Artikel: https://sifted.eu/articles/europe-quantum-wars/

Das spannende finde ich ist die Tonalität im Titel und die Reaktion von @jannemann von IQM, einer der wichtigen Player in der europäischen und weltweiten Quantencomputerindustrie, die im Entstehen ist.

Der Titel von Sifted lautet:

What Europe needs to survive the quantum wars - Is quantum just another technological leap that will leave Europe on the side of the road?

Und die Reaktion von Jan auf Twitter :

und weiter #NoWarNoTitle

Wäre interessant auch mal von den Zusammenarbeitsstories zu hören und auch zu erfahren wie alle vielleicht von Kollaboration profitieren können. Der Schritt zurück und das sich abschotten und jeder macht sein eigenes Tech Ding um besser als der andere zu sein erscheint mir wenig erstrebenswert.

Vielleicht hat jemand auch einen catchy headline für eine „What Europe needs is the friendly and productive quantum relationship“ :slight_smile:

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Hi @justherb: Tatsache ist, dass die wissenschaftliche community in diesem Gebiet global sehr aktiv zusammenarbeitet. Es gibt viele cross-atlantische Forschungsprojekte die teilweise von den USA und teilweise von der EU (oder deren Mitgliedsstaaten direkt) finanziert werden. Hierbei geht es um Grundlagenforschung für Komponenten, Software und Algorithmen. Meine große Hoffnung ist, dass diese Aktivitäten auch in der Zukunft gefördert werden und uns der strategische Wert der Technologie keinen Strich durch die Rechnung macht. Sorgen machen mir vor allem die Bestrebungen der USA, die Exportregulierungen für diese Technologien hochzufahren (wie hier für AI angekündigt). Es gibt auch schon einen ähnlichen Fall im Bereich Quantum Computing. Bis lang wurden essentielle kryogene Komponenten (sogenannte TWPAs [pronounced tuupas]) sehr generös vom MIT in Boston an die globale research community ausgegeben. Diese Unterstützung der internationalen Wissenschaft ist leider aufgrund von neuen Regulierungen nicht mehr möglich. Aus dem Buschfunk hört man, dass diese Restriktionen in Zukunft zunehmen werden. Das ist nicht gut für die gesamte community da es die Grundlagenforschung essentiell behindert.

Was mir dennoch Hoffnung macht, ist dass die Wissenschaftler unter sich sehr zuvorkommend kooperieren. Plump gesagt ist auf wissenschaftlicher Ebene egal was die Politik gerade macht, denn in der Forschung geht es zum Glück nur um inhaltliche Exzellenz. Das heißt nicht, dass sich Forscher nicht für Politik interessieren, sondern dass man in der Regel hauptsächlich daran interessiert ist ob eine Kollaboration zu neuen Erkenntnissen führt und nicht ob in dem Land des Kollaborationspartners gerade Trump, Obama, oder Xi Jinping regiert. So haben wir als IQM beispielsweise sehr gute Kontakte zu außereuropäischen Universitätsgruppen aber auch zu großen Firmen, die man typischerweise so in den headlines liest, wenn es um Quantum Computing geht. Bei all diesen Interaktionen geht es nur um die Frage ob es ein Projekt gibt, das beide Partner voranbringt.

Fakt ist, dass es zur Zeit noch keinen Markt für Quantencomputer gibt. Wenn das Gebiet an sich Erfolg haben soll, tun wir gut daran, gemeinsam diesen Markt zu schaffen bevor wir anfangen über Konkurrenz zu reden.

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Das sollte man wahrscheinlich bei all diesen negativen „Kriegs-“ Zukunftsszenarien mitschwingen lassen: Um einen Quantum-Winter zu vermeiden ist Kooperation und und gemeinsames Schaffen einer kritischen Masse und damit eines kleinen Marktes, die dann da sind um zu bleiben, wahrscheinlich essentiell.
Und ein Quantumwinter ist vielleicht ähnlich wahrscheinlich wie ein Quantum-War Szenario…

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