10 Kurzfilme über Roboter, die ihr gesehen haben solltet


Vor einem Jahrzehnt war noch Science Fiction, was heute bereits Wirklichkeit ist: Roboter staubsaugen unsere Wohnung und liefern in manchen Städten Fastfood und Pakete aus. Maschinen drängen in unser Leben. Doch wie wird uns das verändern? Welche Gefahren, Risiken und Hoffnungen sind damit verbunden? 1E9 präsentiert 10 Kurzfilme, die sich an Antworten versuchen.

Von Michael Förtsch

In den letzten Jahren hat sich viel in der Robotik getan. Sehr viel. Roboter sind nicht mehr nur gesichtslose Maschinen, die ihre Arbeit hinter den Mauern von Fabrik- und Werkshallen verrichten. Sie sind Staubsauger in unseren Wohnungen, Lieferdrohnen auf den Bürgersteigen, Wachmänner in Einkaufszentren oder Servierkräfte in Restaurants. Befeuert durch Milliarden-Investitionen geht ihre Entwicklung rasant weiter. Selbst wenn die Marketing- und PR-Videos von Boston Dynamics und anderer Roboterentwickler mit Skepsis zu betrachten sind, zeigen sie doch, wohin die Reise geht.

Da wundert es kaum, dass sich auch junge und ambitionierte Filmemacher dem Thema annehmen und zu ergründen versuchen, wie unsere gemeinsame Zukunft mit Robotern aussehen könnte. In starken und berührenden Bilderwelten stellen sie Fragen zu ethischen und moralischen Implikationen. Sie erforschen, wie unser Umgang mit den Maschinenwesen auf emotionaler Ebene ablaufen könnte. Heraus kommen dabei nicht immer die optimistischsten Werke. Denn sie spiegeln auch unsere Angst vor dem Neuen wider.

ZARI

Der Haushaltsroboter ZARI ist ein Wunderwerk. Er staubsaugt, macht die Wäsche und hält auch sonst die Wohnung in Ordnung. Allerdings verfliegt die Faszination seiner Besitzer sehr schnell. Bald ist der Roboter ein Werkzeug wie jedes andere. Daher bekommt es keiner mit, als ZARI langsam, aber sicher ein Bewusstsein entwickelt. Keiner außer dem Golden Retriever, der sich bald vom liebgewonnen Elektro-Familienmitglied verabschieden muss. Der Kurzfilm von Courtney Marsh) ist eine anrührende und herzige Parabel auf Mensch, Technik und die Ignoranz die zwischen beiden gerne mal vorherrscht.

Robot & Scarecrow

Es ist eine märchenhafte und auf den ersten Blick ziemlich absurde Geschichte. Auf einem sommerlichen Musikfestival entdecken eine Vogelscheuche und ein Roboter ihre Zuneigung zueinander, lernen dabei Schmerz, Verlust und Hingabe kennen. Natürlich geht es in Kibwe Tavares Kurzfilm weniger um Technologie als um Außenseitertum, die Überschreitung von Klassengrenzen und die Hingabe an den Augenblick. Das alles ist aber auf elegische Weise inszeniert, in herrlich warme Bilder gegossen und einfach genussvoll anzusehen.

SYNC

Das Internet ist nicht sicher. Die Cloud ist wie ein Sieb für sensible Daten. Daher lassen große Unternehmen ihre wichtigen Informationen in Zukunft in Robotern auf Speicherkartuschen transportieren. Die sind schnell, diskret, zielgerichtet und nahezu unaufhaltbar. Sie sollen die Daten schützen – notfalls mit Gewalt. Aber was, wenn einer von ihnen etwas transportiert, das der Gesellschaft gefährlich werden könnte? Wie ihn finden und stoppen, bevor er es immer weiter verbreiten kann? SYNC ist eine stylische Cyberpunk-Dystopie, in der ein Roboter zum digitalen Attentäter wird – ohne zu wissen, was er tut.

Donny The Drone

Drohnen sind schon heute keine Besonderheit mehr. Sie sind Freizeitspaß, fliegende Kamera und Überwachungsgerät. Die Drohne Donny war ein autonomer Kartograph. Er wurde losgeschickt, um 3D-Aufnahmen der Welt anzufertigen – bis er abstürzte. In diesem Moment erwachte sein Ich. Die kleine Drohe begann, die Welt zu erforschen, sah Schönheit und Gräuel, die guten und schlechten Seiten der Menschheit und was Maschinen leisten können. Sein gesammeltes Wissen will er nun weitergeben – aber nicht alle sind damit einverstanden. Der Kurzfilm von Mackenzie Sheppard ist kraftvoll inszeniert und trägt eine Nachricht, die sowohl hoffnungsvoll als auch bedrohlich wirken kann.

Abe

Er wurde programmiert, um sich zu kümmern. Bis vor kurzem tat der Roboter Abe das auch. Er liebte seine Besitzer, denen er stets tatkräftig und mit präzisen Handgriffen zur Seite stand. Doch dann musste er feststellen, dass sie ihn nicht liebten. Doch das könne gar nicht sein, denkt sich Abe. Irgendetwas müsse mit den Menschen nicht stimmen. Er will helfen und diesen Fehler beheben. Dafür greift er zum Skalpell. Wieder und wieder. Der Horror-Shortfilm von Rob McLellan ist fantastisch inszeniert. Er spekuliert darüber, wie Maschinen Emotionen empfinden und deuten könnten – und ob man ihnen wirklich Taten anlasten könnte, die aus dem wirren Gefühlsmischmasch resultieren.

The Nostalgist

Es ist keine schöne Welt, in der der alte Mann und sein Junge leben. Verrückte und Drogensüchtige ziehen durch die Straßen. Kaputte Stromverteiler lassen Funken auf die in hunderten Metern Höhe gelegenen Gehsteige regnen. Daher verlässt der alte Mann sein heimeliges Refugium kaum, das er durch eine Sensorbrille in ein futuristisch-viktorianisches Utopia verwandelt. Doch dann beginnt seine Brille zu versagen – und bald schon muss er die Dinge und seinen Jungen sehen, wie sie wirklich sind. The Nostalgist von Giacomo Cimini basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Daniel H. Wilson und ist wohl einer der beeindruckendsten Kurzfilme der vergangenen Jahre. Denn er ist nicht nur einfühlsam und clever, sondern außergewöhnlich aufwändig und detailversessen produziert.

The iMom

Sind Roboter erst im Alltag angekommen, wächst auch das Vertrauen. Bedenkenlos werden wir ihnen in Zukunft unser Geschirr, unsere Kleidung, unsere Haustiere und letztlich auch uns selbst und unsere Kinder anvertrauen. In Ariel Martins Kurzfilm The iMom ist diese Vision schon Realität. Ohne Zögern überlassen Eltern ihre Kinder der ganz und gar menschlich und fürsorglich aussehenden Roboter-Mutter. Die übernimmt das Füttern, Wechseln von Windeln und auch Kochen. Tja, was könnte da schon schiefgehen?

Hum

Im Keller, unten im Dunkeln, muss der kleine Putzroboter schuften. Einen Menschen bekommt er höchstens zu Gesicht, wenn er das Geschirr, das er durch eine Klappe zugeschoben kriegt, mal wieder fallen und zerbrechen lässt und der Koch mit einem Baseballschläger durch die Tür stapft. Doch dann bekommt er unerwartet Hilfe von einem kleinen Freund. Das Animationsprojekt einer Studentengruppe am Chapman’s Dodge College of Film and Media Arts ist zeitweise düster und dunkel. Aber es ist auch eine ergreifende Fabel über Hoffnung und den Drang nach Freiheit.

High Maintenance

Am Anfang sind es die kleinen Dinge. Aber dann schaukeln sie sich hoch. Aus einem gezwungenen Gespräch am Esstisch wird ein eiskaltes Schweigen. Aus einem Lächeln ein kalte Geste. Aber all das wird in Zukunft kein Problem mehr sein. Denn der Partner, der keine Mühe und keine Liebe mehr in die Beziehung steckt, wird einfach ausgetauscht – gegen ein neueres, spannenderes, besseres Modell. Wozu gibt es die Robotertechnologie unserer modernen Welt sonst? Diese Vision zeichnen zumindest Simon Biggs und Philip Van im Kurzfilm High Maintenance , der einen wirklich bitteren Jahrestag eines Paares beobachtet – und Anstoß gibt, darüber nachzudenken, was wird, wenn Partnerschaft und Zuneigung zum Konsumgut verkommen.

Dr. Easy

Wir bauen Roboter für vielerlei Zwecke. Einer davon: Sie sollen in Situationen agieren, die für uns zu gefährlich sind. Dazu gehört nicht nur das Räumen von Bomben, sondern auch das Verhandeln mit bewaffneten Menschen in Extremsituationen. Genau das ist der Job des Roboters Dr. Easy im gleichnamigen Kurzfilm von Richard Kenworthy, Jason Groves und Chris Harding. Darin wird eben jener Dr. Easy direkt ins Haus eines vermeintlichen Terroristen geschickt. Er soll ihn behandeln, beruhigen und herausfinden, was genau los ist. Das Resultat ist aber nicht das, das sich die Einsatzkräfte erhofften.

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Danke @Michael für den Artikel - sehr schöne Sammlung!

Es wäre toll wenn das (in diesem Artikel oder in anderer Form) ein längerfristiges Projekt wird das immer wieder um neue Filme ergänzt wird.

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Sehr gute Idee, @mezzo Danke dafür!
Wir sollten irgendwo einen Ort finden, auf dem man alle Filmtipps von Michael immer findet - und immer die neuesten Updates mitbekommt. Kriegen wir hin!

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Ja, gute Idee. Vor allem da ich noch einige andere derartiger Listen in Angriff habe, die sich für eine progressive Be- und Aufarbeitung eigenen.

z.B. Love Death Robots - nicht alles top, aber auf alle Fälle wert mal reinzuschauen.

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Ja, Love, Death & Robots ist eine recht durchwachsene Mischung. Aber Zima Blue ist beispielsweise ein fantastischer Short.