Ist unsere Welt nur eine gigantische Simulation, erschaffen von einer höheren Zivilisation?

Ich möchte noch kurz Anmerken, um das Thema tiefer zu verstehen, müsste man den eigenen Glauben im eigenen „Tempel“ einige Wochen lang intensiv schauspielerisch kultivieren;
Denn, alle paar Wochen ein 5 Zeilen Glaubensbekenntnis auszusprechen ist nicht gleich den eigenen Glauben voll und ganz psychologisch erlebt zu haben. Einige wenige Wochen (manchmal wesentlich kürzer) (regelmäßige Schauspielleistung) reichen meist aus um tiefer zu blicken.
Auch ein Vergleichen (schauspielerisch) zu erschaffen ist sehr hilfreich.

Der Einfluss und die Stärke eines kurzen, seltenen Glaubensbekenntnisses auf die eigene Psychologie will ich nicht in Frage stellen. Dieser starke Einfluss ist natürlich real.

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Kashi |O

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Moin, ebenfalls sehr interessant ist die Sicht eines der führenden Wissenschaftler zu diesem Thema:

http://people.idsia.ch/~juergen/Spektrum2007.pdf

Beste Grüße, Knud

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Wirklich sehr interessanter und gut lesbarer Artikel von Schmidhuber. Danke für den Link @knud.werner.

Kleine Zusammenfassung aus dem Artikel, für die, die noch nicht „geklickt“ haben:

  • Prinzipiell spricht nichts gegen die Existenz eines kurzen, optimalen Programms, das die Geschichte unseres Universums exakt berechnen kann.
  • Es setzt voraus, dass es im Universum keine unberechenbaren Zahlen gibt.
  • Nicht durch ein kurzes Programm berechenbar wäre der echte Zufall. Dessen
    Existenz nimmt die Quantenphysik zwar an, bleibt den Beweis jedoch schuldig.
  • Man muss auch Programme berücksichtigen, die ihre Ausgabebits nachträglich ändern dürfen.
  • Die Konsequenz eines exakt berechenbaren Universums wäre, dass unsere Zukunft vorherbestimmt ist.
  • Eine Vorhersage der Zukunft wäre damit jedoch nicht möglich. Da das Programm auf einem Computer laufen müsste, der Teil unseres Universums ist, wäre es aus Prinzip zu langsam.

Mir gefällt vor allem der schön beschriebene Kontext von Zuse über Turing, Physiker und Mathematiker wie Kolmogorov, Levin, Bell, oder Einstein.

Und natürlich ein super Abschluss, der den Kontext zum Artikel hier bietet:

In unserem Universum erhöht sich auf absehbare Zeit die Rechenleistung pro Euro in jedem Jahrzehnt um den Faktor 1000. Als Folge dieser Entwicklung nehmen auch Überzeugungskraft und Beliebtheit virtueller Realitäten dramatisch zu, weshalb vielen Menschen derartiges Gedankengut mit der Zeit immer natürlicher und akzeptabler erscheint.
Dass es sogar mathematisch optimale Methoden gibt, Welten zu schaffen und zu berechnen, eröffnet allerdings ein Feld, das die Philosophie und die Theologie bisher noch kaum diskutieren.

Der Gedanke an eine Simulationshierarchie von berechenbaren Universen, die ineinander verschachtelt sind, provoziert jedoch die Frage: Woher kommt der Rechner für das oberste Universum der Hierarchie? Sie muss vorerst offen bleiben.

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Vielen Dank @0x78 !

Wenn ich meine bisherigen Erkenntnisse und Überlegungen zusammen fassen wollte, wäre der Gedankengang etwa wie folgt:

  • Offenbar „ist“ etwas (ich, die anderen, das Universum …)
  • Da „etwas“ ist (existiert), wurde es „gebaut“
  • Da es gebaut wurde, gibt es einen „Bauplan“, und es ist berechenbar
  • Es ist zu vermuten, daß die Baupläne „kurz“ sind und sich „schnell“ ausführen lassen

Kurz gesagt, die Existenz von „etwas“ ist quasi der Beweis seiner (effizienten) Berechenbarkeit :sunglasses:.

Beste Grüße, Knud

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Ja genau. Die ausführung im Artikel zu Art des Algorithmus finde ich sehr interessant und auch die Bemerkungen, dass es theoretische Aussagen zu universellen „Problemlösern“ gibt. Wirkt erst mal sehr abstrakt, aber finde ich ist im ARtikel gut lesbar und sehr spannend, weil hier die theoretische Computerwissenschaft auf Physik und Naturwissenschaften trifft. Dass man aus solchen Überlegungen sogar Ableitungen von grundlegender Natur machen kann finde ich auch spannend. zB zur Quantencomputern und deren Überlegenheit zu bestmöglichen klassischen Computern. Wobei hier „bestmöglich“ leider auch wenig über praktische Realisierbarkeit in absehbarer Zeit aussagt. Dennoch - sehr relevant finde ich.

Sensationell gute Beschreibung. Danke @knud.werner

Wusstet Ihr?, dass ein kleines digitales Schwarz-Weiß Foto, das man auf ca. A5 Ausdrucken kann, ca. eine Fläche hat von 1200x1200 einzelnen Pixel hat, jeder einzelne Pixel kann die Helligkeit Weiß und die Dunkelheit Schwarz und ca. 254 Zwischen-Graustufen darstellen. Mit einem Programm kann man alle möglichen Kombinationen designen und alle Bilder ausdrucken (eine endliche Zahl Bilder) und erhält alle möglichen Schwarz-Weiß Fotografien vom ganzen Universum und allen Menschen, der gesamten Vergangenheit und der gesamten Zukunft und aller theoretischen Realitäten, die nicht stattfanden und nicht stattfinden werden.
Ein Fotograf versteht sofort ohne Schwierigkeiten, dass das wahr ist!
Dasselbe kann man auch mit einer Mittelformatkamera mit 150 MP und 16 Bit Farbtiefe durchrechnen (auch eine endliche Zahl an Bildern), jedoch extrem hoch aufgelöst und Milliarden Farbkombinationen noch zusätzlich. In Farbe dann, statt in Schwarz-Weiß.

Kashi |O

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Liebe Freund*innen alternativer Realitäten,

Bostroms Simulationsargument krankt m.E. an folgender stillschweigender Voraussetzung:

Es beruht auf der Vorstellung, dass nicht nur die Welt der Dinge - also Sterne, Planeten und Dosentomaten simuliert werden könnte, sondern auch BEWUSSTSEIN ; d.h., es wird irgendeine uns unbekannte „Technik“ (im weitesten Sinnne) als möglich unterstellt, die Bewusstsein „erzeugen“ kann, und zwar aus Bestandtteilen, die selbst nicht bewusst sind - das Lego-Prinzip also: Aus vielen Legosteinen kann man einen Todesstern bauen, auch wenn ein einzelner Stein eben kein Todessstern ist (= über Bewusstsein verfügt).
Diese Voraussetzung ist natürlich ein grundlegender Bestandteil des materialistischen Reduktionismus, auch als Physikalismus bezeichnet, der immer noch die Basis des wissenschaftlichen Mainstreams ist; auch wenn viele der herausragenden Geister in den Naturwissenschaften immer gewusst haben, dass dies nicht alles sein kann.

Nun ist es natürlich alles andere als einfach zu sagen, was genau nun Bewusstsein ist - David Chalmers hat dies als das „hard problem“ bezeichnet.
Wer sich hier tiefergehend interessiert, dem seien die Lektüre von Thomas Nagels wegweisendem Aufsatz "What Is It Like to Be a Bat?** und allgemein die sogenannte „Qualia-Debatte“ in der Philosophie empfohlen.

Nun aber zum Argument gegen die Simulierbarkeit von Bewusstsein:
Dieses Argument wurde bereits von René Descartes in seinen „Meditationen“ ins Feld geführt, und zwar gegen den bösartigen Dämon (Genius malignus), der uns zwar in allem täuschen kann, also uns die Existenz der materiellen Außenwelt inklusive unseres Körpers (!) vorgaukeln könnte.
Davon unberührt bleibt aber die Selbstgewissheit des Bewusstseins als zumindest denkende Substanz (res cogitans) - eine evidente Gewissheit, denn jeder Zweifel daran, dass ich bewusst bin, ist offenkundig absurd - denn ich denke ja bewusst!

Ich vermute (und hoffe), dass uns in in nicht allzuferner Zukunft ein Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften bevorsteht, der den Physikalismus/Materialismus überwindet und die Realität des Bewusstseins anerkennt; d.h. damit aufhört, Bewusstsein lediglich als Epiphänomen eines Gehirns zu betrachten… denn das funktioniert einfach nicht…

So viel für`s erste, ich bin gespannt auf Reaktionen.

Möge die Macht mit uns sein!

UBIK

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Genau das stimmt nicht, denke ich - siehe meinen Beitrag weiter unten. Meine These: Bewusstsein kann nicht simuliert werden, es existiert - als reines Bewusstsein - unabängig von Materie, kann aber mit dieser interagieren (deshalb haben wir ein Gehirn ;-))

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Ich würde nicht sagen, dass die These daran krankt. Denn Bostrom setzte diese Voraussetzung bewusst – auch um die These auf ihre Basisüberlegung zu reduzieren und eine Debatte darüber und nicht über Randüberlegungen zu forcieren. Etwas, das gut gelungen ist.

Ich selbst bin übrigens überzeugt, dass das Bewusstsein, wie du schreibst, „lediglich ein Epiphänomen eines Gehirns“ darstellt. Denn bislang gibt es keinen eindeutigen oder gar wissenschaftlichen Hinweis der Gegenteiliges nahelegen würde.

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Hallo Michael,

erstmal Danke für Deine Antwort auf meinen Beitrag.

Die Frage ist aber: In welchem Lager liegt hier welche argumentative Bringschuld?
Der Materialismus behauptet, dass unser gesamtes bewusstes Erleben lediglich eine Art „Projektion“ ist, die auf der „realen“ elektrochemischen Aktivität unseres Gehirns beruht - eine äußerst kühne Behauptung, wie ich finde. Seit Descartes Trennung des Menschen in Geist und Körper ist es nicht gelungen (und gelingt auch der aktuellen Neuro-Forschung nicht), den NEXUS zwischen Fleisch und Bewusstsein irgendwo zu verorten, zu bestimmen oder auch nur ein überzeugendes Konzept vorzulegen, wie Bewussstsein aus der Interaktion nicht bewusster Bestandtteile resultieren soll - an dieser Stelle ziehen Materialisten gewöhnlich ein großes weisses Kaninchen namens „Emergenz“ aus dem Hut: Emergenz ist das Auftreten qualitativ neuer Eigenschaften bei zunehmender Systemkomplexität (kurz gesagt). Das Problem ist, dass dies nicht wirklich eine Erklärung ist - die Frage, wo und wie genau der Übergang zwischen Elektrochemie und dem von uns erlebten Bewusstsein stattfindet, bleibt ungeklärt - oder hast du dein Bewusstsein schon einmal als elektrochemische Aktivität deines Gehirns erlebt?
Schlimmer noch: Angenommen, wir diskutieren als reale Personenen in einem Raum miteinander: Dann sind wir - aus materialistischer Sicht - lediglich (zugegeben komplexe= lebende) Anordnungen von Protonen, Neutronen und Elektronen (oder Quarks und Leptonen, je nach gewünschter Beschreibungsebene). Aus unbekannten Gründen versetzen diese Anordnungen spontan Teile von sich selbst in Bewegung („Sprechen“), um Luftmoleküle in Schwingungen zu versetzen… Worauf ich hinauswill: Die gesamte Beschreibungsebene von Bedeutung, Sinn, Theorie, Wahrheit etc. kommt in einem materialistischen Universum gar nicht vor (!); bzw. es kann nicht sinnvoll von ihr gesprochen werden.
Zu Bostroms Beschränkung des Gedankenexperiments: Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass selbstbewusste Beobachter ebenso simulierbar sein können wie ein „Tisch“, ein „Stern“ etc. - da es sich um qualitativ völlig anders geartetete Entitäten handelt. Dies schein mir ganz und keine „Randüberlegung“ zu sein - die Rätselhaftigkeit der „Wirklichkeit“ ist ja immer nur einem bewussten Beobachter gegeben - ein Stein staunt nicht darüber, dass er EXISTIERT…

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Auch mir sind die ganzen Hervorbringungen der sogenannten „Esoterik“ ein Greuel; und auch ich bin fasziniert und beeindruckt von den Errungenschaften unserer Naturwissenschaften. Aber es gehört eben gerade auch zu den Merkmalen wissenschaftlichen/philosophischen Denkens, dass auch die Grundlangen immer wieder überprüft werden.

Jetzt muss ich leider Geschirr spülen - so long!

Ubik

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Wenn ich mir die Signale einer CPU plus memory ansehe auf der ein Programm läuft, das in einem Input Datenstrom Kategorien erkennt, sie bewerten kann und einem vorgegebenen oder erlernten und adaptiven Ziel in Folgeoperationen unterordnet, dann wirken die elektrischen Ladungsbewegungen zum Teil chaotisch. Die Programmlogik ist jedoch stringent und enthält all die Konzepte, die immateriel sind in Form von Relationen von Ladungsträgern die solche spezifischen Zustände ausmachen. Das ist vielleicht noch kein Bewusstsein wie wir es wahrnehmen aber so kann man Beobachter implementieren die eben definiert sind als spezielle Relationen von ladungen und nicht als etwas on top zur „Materie“.

Das Problem wird durch die Verschiebung auf eine Konfiguration von „Ladungen“ auf einem Hardwaresubstrat, dass dann - so verstehe ich dich - ein „Bewusstseins-Äquivalent“ erzeugt, nicht gelöst.
Um dies an einem Beispiel zu erläutern:
AlphaGo hat bekanntlich alle menschlichen Go-Spieler geschlagen. Die Frage, die aber bleibt, ist: Ist sich AlphaGo der Tatsache bewusst, dass es Go „spielt“?
In welchem Sinne kann man überhaupt sinnvoll sagen, dass die Maschine Go „spielt“? Alpha Go weiß nichts von der Tradition des Go, es freut sich nicht über Sieg und grämt sich nicht über eine Niederlage… anders formuliert: „Go spielen“ ist mehr bloß die Züge zu berechnen - im menschlichen Sinne des Wortes „spielen“.
Ein anderes Beispiel: Im Bewusstsein eines Physikstudenten, der - endlich! - die Allgemeine Relativitätstheorie versteht, ereignet sich etwas Entscheidendes, dass in einem Computer, der die Feldgleichungen der AR berechnet, nicht passiert.
„Verstehen“ ist etwas viel tieferes als bloß "Berechnungen durchführen…

Frage:
Glaubst du, dass eine Maschine den Geschmack von Schokolade schmecken kann?
Ich meine damit nicht, dass die Maschine Schokolade anhand einer chemischen Analyse identifizieren kann…

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Kommt drauf an, was man unter dem Konzept schmecken versteht. Ich denke schon, dass man einem internen Modell alles mögliche mitgeben kann, u.a. auch eine Form des Konzepts von schmecken, riechen und Wertungen solcher „Sensoreindrücke“ innerhalb eines Kontexts. Das Problem mit Go, oder „bloß“ rechnen, ist dass wir gerade Machinen in isolierten Problemen betrachten und Programmabläufe, die nur dafür konzipiert sind ein spezifisches Problem zu lösen. Wenn diese, und zudem Beobachtersysteme, die das agieren betrachten mit großem Kontextversehen, dann denke ich können auch Maschinen „Bewusstsein“ relativ zum vorhandenen Erfahrungsschatz „erleben“.

Ein ganz interessantes Interview mit Schmidhuber, der hier schonmal verlinkt wurde habe ich zu diesem Kontext (Bewusstsein, KI, etc) sogar auf einem evangelischen Blog gefunden: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/42814/computer-uebernehmen-die-macht

Was nun das menschliche Bewusstsein besonders macht, ob es dies ist, weiß ich einfach nicht und ich glaub der Mensch selber kann das vielleicht auch nie wissen, weil er seinen eigenen Beobachter nicht selbst beobachten kann (oder so)…

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Nun, ich glaube, es besteht nicht die Frage nach einer „argumentativen Bringschuld“, sondern eine Bringschuld in Sachen wissenschaftlich haltbarer Daten und Belege. Und da liegt die auf beiden Seiten.

Wobei die Vertreter des, wie du es nennst, „Materialismus“ wohl derzeit einfach die einzigen sind, die überhaupt eine Daten- und Indizienbasis vorlegen, die eine Erforschung dieses Themas ermöglicht. Und wie die Sache derzeit liegt, deutet so ziemlich alles darauf hin, dass unser Erleben alleinig auf elektrochemischen Prozessen in unserem Gehirn beruht. Mehr nicht.

Und, um ehrlich zu sein, alles andere scheint mir auch eher eine romantische Fantasie als überzeugende oder ernstzunehmende These; es bietet eine gute Debattengrundlage, wie sich auch hier zeigt, sicher. Aber keine, die tatsächlich irgendwo hinführt. Denn zu einem Beweis kommt man nicht.

Und:

Schlimmer noch: Angenommen, wir diskutieren als reale Personenen in einem Raum miteinander: Dann sind wir - aus materialistischer Sicht - lediglich (zugegeben komplexe= lebende) Anordnungen von Protonen, Neutronen und Elektronen (oder Quarks und Leptonen, je nach gewünschter Beschreibungsebene). Aus unbekannten Gründen versetzen diese Anordnungen spontan Teile von sich selbst in Bewegung („Sprechen“), um Luftmoleküle in Schwingungen zu versetzen… Worauf ich hinauswill: Die gesamte Beschreibungsebene von Bedeutung, Sinn, Theorie, Wahrheit etc. kommt in einem materialistischen Universum gar nicht vor (!); bzw. es kann nicht sinnvoll von ihr gesprochen werden.

Tja. Ich weiß nicht, was daran schlimm sein soll? Und warum sollte das Universum, die Existenz oder sonst etwas einen Sinn, eine Bedeutung oder eine Wahrheit enthalten? Das ist eine sehr verklärte Sicht, die keinem vorzuwefen ist. Denn: Klar, vielen Menschen verlangt es nach soetwas. Aber das heißt nicht, dass es existiert. Logischer ist, das alles Geschehen einfach die Folge einer kosmischen Kettenreaktion darstellt– ganze ohne Bedeutung oder Sinn –, mehr nicht.

Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass selbstbewusste Beobachter ebenso simulierbar sein können wie ein „Tisch“, ein „Stern“ etc. - da es sich um qualitativ völlig anders geartetete Entitäten handelt. Dies schein mir ganz und keine „Randüberlegung“ zu sein - die Rätselhaftigkeit der „Wirklichkeit“ ist ja immer nur einem bewussten Beobachter gegeben - ein Stein staunt nicht darüber, dass er EXISTIERT…

Doch, kann man natürlich. Das ist alleine schon dadurch belegt, dass er das tut. Bostrom ist eben Vertreter einer äußerst rationalen Denkschule.

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Funny.
Das Problem dabei ist, dass auch deine „Argumente“ dann nichts weiter sind als sinnlose Pixel auf meinem Bildschirm. Und, Sorry, sich einfach nur auf eine „äußerst rationale Denkschule“ zu berufen, ist kein Argument, sonderne ein eher mittelalterlicher Autoritätsanspruch.
Das Problem mit dieser sehr schlichten Weltsicht der „Ingenieursphysiker“ ist, dass ihre Vertreter sich in ihrem vermeintlich „rationalen“ Weltbild nicht weniger dogmatisch verkapselt haben als die Römische Kirche, die auch nicht vom geozentrischen Weltbild lassen wollte.
Es gibt eine lange idealistische Tradition in der Philosophie von alten griechischen Noos bis zu Hegels Weltgeist, die dem, was wir - mit Metaphern natürlich - Geist, Bewusstsein, Seele nennen, einen ontologischen Primat gibt gegenüber der Materie (die sehr wohl eine Simulation ist bzw. als solche beschrieben werden kann, was bei Bewusstsein eben nicht geht, weil das Bewusstsein sich nicht selbst hintergehen kann - siehe Descartes`Argument).

Ich möchte auch daran erinnern, dass das Weltbild der Physik gerade an der aktuellen Front der Theoriebildung keineswegs einheitlich ist; mehr noch, viele Physiker, z.B. auch Harald Lesch, sprechen von einer „tiefen Krise der Physik.“
Ich halte mal für`s Protokoll fest:
AR und Quantenmechanik passen nicht zusammen - die Stringtheorie, die beide zusammenführen soll, ist mehr als umstritten und auf absehbare Zeit nicht testbar.
Der errechnete Wert der Vakuumenergie ist um 120 Größenordungen (!!!) höher als der beobachtete Wert… all dies scheint mir nicht darauf hinzudeuten, dass wir demnächst jubelnd mit einer Theorie von Allem dastehen werden…

Wow. Wenn also alles existieren kann, was sich jemand für eine Theorie ausdenkt (als möglich oder „real“ behauptet - dann ist das allerdings „The End of Words.“ Dann twerkt das Regenbogeneinhorn im Sauerkraut…

Eine neue Frage: Glaubst du, dass der Mensch frei ist? Oder sind wir nur Glieder einer lückenlosen Kausalkette, denen aus unbekannter Ursache und zu unbekanntem Zweck suggeriert wird, dass sie frei wären? Und erlebst du dich selbst so?

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Ja, und nein. Was ich sage ist, dass es keinen spirituellen Sinn gibt; das nichts im Kosmos mit einem höheren Sinn oder einer Bedeutung geschaffen wurde. Daher muss sich der Mensch für sein Dasein selbst einen Sinn definieren.

Das Problem mit dieser sehr schlichten Weltsicht der „Ingenieursphysiker“ ist, dass ihre Vertreter sich in ihrem vermeintlich „rationalen“ Weltbild nicht weniger dogmatisch verkapselt haben als die Römische Kirche, die auch nicht vom geozentrischen Weltbild lassen wollte.

Ich glaube, du verwechselst da hier eine wissenschaftlich-kritische Sicht mit einer religiös verbrämten Sicht. Aber ich will auch niemandem seine Interpretation der Welt oder seine Kritik am derzeitigen Wissenschafts- und Wissensstand absprechen. Genau um diese auszutauschen und zu debattieren sind wir ja hier.

Eine neue Frage: Glaubst du, dass der Mensch frei ist? Oder sind wir nur Glieder einer lückenlosen Kausalkette, denen aus unbekannter Ursache und zu unbekanntem Zweck suggeriert wird, dass sie frei wären? Und erlebst du dich selbst so?

Hmm. Schöne Fragekette. Aber: Was meinst du mit frei? Das ist wieder ein Begriff, der sich mit allen möglichen Bedeutungen aufladen lässt.

Aber generell bin ich überzeugt, ich formuliere es mal so, dass alles einer Kettenreaktion unterworfen ist, die mit dem Urknall begann. Teilchen wurden geschaffen, ins entstehende Universum geschleudert. Sie reagieren aufeinander und die entstandenen Kräfte. Alles ist eine Folge dieser initialen Materie- und Kraftexplosion. Entsprechend glaube ich, dass alles was geschieht, quasi „vorherbestimmt“ ist – und zwar auf rein physikalischer und theoretisch auch berechenbarer Basis. Ich bin also im weitesten Sinne ein Anhänger des Superdeterminismus.

Aber ich glaube, wir kommen wir dann nun doch etwas sehr weit vom eigentlichen Thema ab.

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Was würde das bedeuten, wenn zu der durch Messung / Beobachtung + Konstruktion erfahrbaren Welt etwas anderes hinzukommt? Kann man damit überhaupt (Natur-)wissenschaftlich umgehen?

Hallo Justherb,

Im Hintergrund deiner Fragen liegt die Qualia-Diskussion, die in der Philosophie durch den Essay „What is it like to be a bat?“ von Thomas Nagel aus dem Jahre 1974 angestoßen wurde.
Ich versuche mal, ein paar Basics mit meinen Worten zu erklären.

  1. Bewusstsein unterscheidet sich schon phänomenologisch von den (materiellen) DINGEN, die wir in der Welt vorfinden. Jede*r von uns hat DIREKTEN Zugriff auf genau ein Bewusstsein, nämlich sein eigenes (sozusagen Administratorrechte), während wir an den Dingen der „Aussenwelt“ gemeinsam teilhaben können.
    Wir können unser eigenes Bewusstsein also introspektiv DIREKT „beobachten“ (auch wenn unser Blick dabei nicht bis in den Keller des Unterbewusstseins reicht…). Das Bewusstsein anderer hingegen ist mir nur über eine irgendwie geartete Kommunikation zugänglich: Durch Worte, Gesten, Laute, aber auch durch Kunstwerke oder Musik übertragen wir Inhalte von einem Bewusstsein ins andere (wenn man darüber nachdenkt, erscheint es fast übernatürlich;-))…

So langsam fallen mir die Augen zu, ich muss mein Bewusstsein jetzt mal in den Schonwaschgang geben - Fortsetzung folgt.

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Basis nicht nur dieser Filme sind die literarischen Werke von Philip K. Dick.
Sehr zu empfehlen, nicht nur die Bekannten wie Blade Runner, Total Recall, Minority Report, The Man in the High Castle (Das Orakel vom Berge). Ein wahrer Fundus zu Fragestellungen hinsichtlich Realität und Wirklichkeitsfindung.

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