Ist unsere Welt nur eine gigantische Simulation, erschaffen von einer höheren Zivilisation?

Wir leben in einer gigantischen Simulation, die auf riesigen Computern einer hochentwickelten Zivilisation läuft. Das glauben einige Milliardäre und Forscher. Sie wollen sogar Fehler in der Matrix finden. Anderen halten die Simulationshypothese für vollkommenen Blödsinn. Was meint ihr? Wir liefern einige Argumente für und gegen die These, damit wir mit euch darüber diskutieren können.

Von Michael Förtsch

Es ist schon erstaunlich, wie realistisch diese Welten sind. Vor nicht ganz 50 Jahren wurden die ersten Exemplare des Atari-Automatenklassikers Pong in die Spielhallen geschoben. Das Videospiel bestand gerade einmal aus ein paar Linien, einem umher surrenden Viereck und zwei Zählern für den Punktestand. Heute zeichnen Games wie Red Dead Redemption 2 riesige Landschaften auf unsere Bildschirme und Fernseher, die mit Wäldern, Städten und Hunderten von Charakteren angefüllt sind. Die Grafik-Engines dahinter simulieren, wie Sonnenlicht in die Haut von Menschen eindringt und reflektiert wird. Sie überziehen Landstriche mit realistischem Wetter und sorgen dafür, dass die Hoden von Pferden schrumpfen, wenn die Temperaturen fallen.

Glaubt man Entwicklern, sind Videospiele, die sich optisch nicht mehr von der Realität unterscheiden lassen oder zumindest aussehen wie große Kinoblockbuster, nicht mehr Jahrzehnte entfernt, sondern nur einige Jahre. Genau das ist für den Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk eines der stärksten Argumente dafür, dass die Welt, in der wir leben, womöglich selbst nur eine Art Videospiel ist, eine Simulation, die von einer höheren Rasse oder unseren Nachfahren geschaffen wurde. Denn wenn wir es schon fast schaffen, virtuelle Räume zu erzeugen, die wie die echte Welt aussehen, wozu sind dann erst weiterentwickelte Wesen fähig? Wir selbst wären demnach keine biologischen, sondern digitale Verstandeswesen, die sich durch ein hyper-realistisches Abbild dessen schlagen, was da draußen möglicherweise existiert. Die Chance, dass wir in der Realität existieren, sagt Musk, liege bei „eins zu mehreren Milliarden“.

Statistisch ist die Simulation denkbar

Diese zunächst vollkommen verrückt scheinende Theorie stammt nicht von Elon Musk selbst, sondern vom schwedischen Philosophen Nick Bostrom. 2003 veröffentlichte er die Abhandlung Are You Living in a Computer Simulation?, die weltweit hohe Wellen schlug. Bostrom stellte die Hypothese auf, dass eine hochentwickelte Zivilisation wie die Menschheit an einen Punk kommen könnte, an dem sie genug Rechenkraft und Energie zur Verfügung hat, um das Leben von Milliarden Individuen in einem Computerprogramm nachzustellen.

Wie das aussehen könnte, das haben Science-Fiction-Autoren wie Robert Bradbury dargelegt. Er erdachte in einem Essay das Matrjoschka-Gehirn. Das soll eine riesige Hülle sein, die – vergleichbar einer Dyson-Sphäre – einen Stern komplett einschließt. Dadurch ließe sich die gesamte Energie des Sterns nutzbar machen, um gigantische Computeranlagen zu betreiben, die sich wie Zwiebelschalen um die Hülle auffächern.

Bis eine Zivilisation derartiges erschaffen könnte, müsste sie jedoch zahlreiche gesellschaftliche und technologische Herausforderungen meistern.

Nick Bostrom postulierte in seiner Simulationshypothese daher drei Möglichkeiten für eine Zivilisation wie die Menschheit.

  1. Möglichkeit: Sie stirbt aus, bevor sie eine Entwicklungsstufe erreicht, in der sie über die jetzigen Grenzen des Denkens, Wissens und Handelns hinauswächst und so zu einer solchen post-humanen Zivilisation mit überragenden technischen Fähigkeiten wird.

  2. Möglichkeit: Eine derart fortgeschrittene Zivilisation hätte zwar die Möglichkeit dazu, eine solche Simulation zu realisieren. Doch aus ethischen und moralischen Gründen oder auch einfach aus mangelndem Interesse tut sie es nicht.

  3. Möglichkeit: Eine solche fortgeschrittene Zivilisation existiert bereits und wir leben schon in einer solchen Computersimulation.

Die Wahrscheinlichkeiten für jede dieser Möglichkeiten sei je nach dem aktuellen Stand der Forschung mal mehr, mal weniger ausgewogen, meint Bostrom. Damit wäre die Möglichkeit, dass wir in einer Simulation leben zwar bei weniger als 50 Prozent – aber immer noch vergleichsweise hoch. Theoretisch reicht schon eine Zivilisation in der Geschichte des Kosmos mit dieser Technologie und dem Willen, eine Simulation zu erstellen, um nahezu unendlich viele davon hervorzubringen. Schließlich könnte eine simulierte Zivilisation letztlich selbst an einen Punkt gelangen, an dem sie eine oder mehrere Simulationen entwickelt. Diese könnten dann wiederum das Gleiche tun und so weiter und so fort.

Rein rechnerisch ist die Option, dass solche Simulationen existieren und wir in einer davon leben also durchaus plausibel.

Ist das Universum selbst der Beweis?

Als möglichen Hinweis für die Stichhaltigkeit der These wird sogar das Universum und das Leben darin gesehen – oder genauer: das schwache anthropische Prinzip, mit dem sich Bostrom intensiv vor dem Aufstellen seiner Simulationshypothese beschäftigt hatte. Denn sämtliche Naturkonstanten und Gesetze sind genau so eingestellt, dass sich Planeten formen, biologische Lebensformen bilden und letztlich wir Menschen entstehen konnten. Nur kleinste Abweichungen bei der Lichtgeschwindigkeit, der Gravitationskonstante oder dem planckschen Wirkungsquantum und statt eines Universums voller Sterne und Planeten gäbe es einen Haufen von wild umherfliegenden Staubpartikeln. Schon Jahre vor der Simulationshypothese spekulierten daher Physiker wie Paul Davies oder Max Tegmark, ob die Ausgangssituation des Universums und seine Gesetzte bewusst kalibriert wurden, reiner Zufall oder Ergebnis eines Multiversums sein könnten.

So einige ernstzunehmende Wissenschaftler erachten die Simulationstheorie als ein durchaus faszinierendes Gedankenspiel und ein Konzept, das nicht ignoriert werden sollte. Der Kosmologe Neil deGrasse Tyson glaubt, dass es eine „ziemliche große“ Chance gibt, dass die Welt nur eine digitale Scheinwelt darstellt und jeder unserer Gedanken durch einen gigantische Computer berechnet wird. So sehen es auch sein Berufskollege Max Tegmark und der Philosophieprofessor David Chalmers. George Smoot, Astrophysiker und Nobelpreisträger, sagt, dass die These zumindest nicht als Welterklärungsmodell ausgeschlossen werden darf. Und der NASA-Wissenschaftler Rich Terrile geht sogar davon aus, dass die Vorstellung, unser Universum sei echt , irgendwann genauso überholt sein könnte, wie das geozentrische Weltbild.

Die Liste der prominenten Anhänger der Simulationshypothese ist damit noch nicht zu Ende. Zu ihr gehören auch der Hacker George Hotz und der Videospielentwickler Rizwan Virk, der die These erst in diesem Jahr in einem Buch aufarbeitete. Selbst Analysten der Bank of America kamen zur Einschätzung, dass an der Idee etwas dran sein könnte. Den Gutachtern der Großbank zufolge gäbe es eine 20- bis 50-prozentige Chance, dass wir ein einer „ Matrix-artigen virtuellen Realität“ existieren.

Es gibt letztlich weniges, das dafür spricht

So viele Wissenschaftler die Simulationshypothese befürworten, so viele halten sie – oder zumindest die Annahme, dass wir in einer Simulation leben könnten – für ziemlich Unfug. Zu den Kritikern gehören unter anderem der Psychologe Riccardo Manzotti und der Kognitionswissenschaftler Andrew Smart. Ihnen zufolge lägen Elon Musk, Bostrom und ihre Unterstützer schlichtweg falsch. Denn, wie sie in einem Artikel auf VICE auffächern, seien zahlreiche Annahmen, die die Simulationshypothese trifft, inkorrekt oder sehr fragwürdig.

Ein Computer könne, meinen Manzotti und Smart, kein echtes Universum simulieren, weil den Resultaten von Berechnungen und Spannungswandlungen die Stofflichkeit fehle, die sie als Welt greifbar machen. Ein Gehirn, auch ein simuliertes, könne nicht einfach wie ein Monitor oder eine VR-Brille bespielt werden. Also: Wenn eine simulierte Welt existiert, heißt es noch nicht, dass sie von einer ebenso simulierten Person wahrgenommen werden kann. Aber vor allem, erklären die Wissenschaftler, gäbe es keinen empirischen Beweis oder eine glaubhafte These dafür, dass es mit zunehmender Rechenkraft irgendwann auch machbar sei, ein sich selbstbewusstes Leben auf rein digitaler Basis zu erschaffen – wie wir es letztlich sein müssten.

Und auch Lisa Randall, theoretische Physikerin an der Harvard University, hat starke Zweifel, was die Stichhaltigkeit der Simulationsthese angeht. Ihrer Ansicht nach sei es vollkommen ausgeschlossen, dass wir in einer Simulation existieren. Einfach weil „es schlicht keinen Grund zu glauben gibt, dass wir es tun“, sagte sie bei einer öffentlichen Debatte. Statistische Wahrscheinlichkeiten wären hinfällig, weil die Möglichkeit einer solch glaubhaften Simulation an sich vollkommen unrealistisch sei. Viel interessanter ist für sie die Frage, warum so viele Menschen die Theorie für so interessant halten.

Ein Plus für die Kritiker: Es gibt bisher einfach keine echten Beweise dafür, dass die These stimmen könnte, sondern lediglich vermeintliche Anzeichen. UFO-Sichtungen, Geschichten über Geister oder Zeitreisen und gar die Wahl von Donald Trump werden mal ernsthaft, mal scherzhaft als Fehler in der Matrix kategorisiert. Ebenso wie Szenen von allzu identisch angezogenen Menschen oder kuriosen Erlebnisse, die auf Reddit gesammelt werden. Aber auch Phänomene wie der Mandela Effect, falsche Erinnerungen an historische Ereignisse, das absurde Verhalten schwarzer Löcher oder Programm-artiger Code, der sich in der String-Theory versteckt, werden von manchen als Indizien gewertet. Als wissenschaftliche „Aha! Simulation!“-Argumente sind sie aber nicht zu gebrauchen.

Wir müssen Fehler in der Matrix finden

Wenn unsere Welt aber eine Simulation wäre, da stimmen Befürworter und Kritiker überein, müsste es messbare Fehler, sichtbare Unschärfen und identifizierbare Programmtricks geben. Das meinen beispielsweise der Cambridge-Mathematiker John D. Barrow und der Quantenphysiker Thomas Warren Campbell. Ihnen zufolge würde eine Simulation wohl arbeiten wie ein modernes Computerspiel, um effizient, energie- und ressourcensparend laufen zu können. Heißt: Es würde wohl nicht ständig jedes Elementarteilchen, jeder elektromagnetische Funke und jeder Teil des Universums simuliert werden.

Stattdessen würde wohl nur genug simuliert, um die Bewohner der virtuellen Welt zu überzeugen, dass sie real und vorhanden ist. Atome, Moleküle, Bakterien, Zellen, Photonen aber auch ferne Galaxien müssten lediglich gezeichnet werden, wenn sie unter Beobachtung sind. Ähnlich wie eine Engine, die nur das Stück der Welt berechnet, das der Spieler aktuell im Blick hat, und Objekte mit umso mehr Details füllt, je näher er kommt. Hier könnten sich gemäß Barrow und Campbell die Beweise für das Für und das Wider entdecken lassen. Etwa irrationale Schwankungen bei Naturkonstanten wie der Lichtgeschwindigkeit, Gravitation, der Quanten-Elektrodynamik, der kosmischen Hintergrundstrahlungen und ähnlichem.

Werden wir je die „Wahrheit“ erfahren?

Auf Beweise für oder gegen eine Simulation zu warten, das dauert manchen zu lange. Der iPhone-Hacker und Entwickler George Hotz rief in seinem von zahlreichen „Sie schauen uns vielleicht zu“-Andeutungen durchsetzen Vortrag auf der diesjährigen SXSW Conference dazu auf, die Simulation zu jailbreaken . Wenn es eine sei, dann müsse es nämlich, wie in einem Videospiel, auch Möglichkeiten geben, mit bestimmten Handlungen, Fehler auszulösen. Diese könnten es dann erlauben, das Programm dahinter zu exploiten und Dinge zu tun, die nicht vorgesehen sind: Wir könnten Cheats verwenden, um den Klimawandel zu stoppen, Krankheiten auszuschalten oder sogar die Simulation in die Welt darüber zu verlassen. Mögliche Mittel, glaubt Hotz, könnten kommende Experimente mit Teilchenbeschleunigern oder auch Quantencomputern sein. Die hätten das Potential, Bestandteile einer Simulation, wenn sie denn da ist, zu überlasten und mögliche Bugs auszunutzen.

So ganz ist Hotz von der Simulationstheorie nicht überzeugt. Aber der Glaube an eine Simulation, meint er, sei nicht verrückter als der Glaube daran, dass die Welt und alles was darin ist, von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde. „Warum sollte es nicht wahr sein?“, fragt Hotz. Überzeugter sollen da schon zwei Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley sein. Die haben, das behauptete zumindest der US-Investor Sam Altmann, insgeheim eine Gruppe Wissenschaftler engagiert, um herauszufinden, ob und wie man der simulierten Scheinwelt entfliehen könnte.

Doch selbst wenn das gelingen könnte, wäre nicht sicher, dass, wie in der Truman Show , hinter dem hypothetischen Ausgang die reale Welt wartet. Möglicherweise sind dort weitere simulierte Realitäten, die von Zivilisationen geschaffen wurden, die wahrscheinlich ebenso zweifeln und auszubrechen versuchen.

Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Entwickler einer Simulation bedacht haben könnten, dass wir nach Fehlern in der Matrix oder Ausgängen suchen würden. Jeder Versuch, einen Beweis für eine Simulation zu finden, könnte mit exakt dafür vorgesehen Daten untergraben werden. Laut Bostrom selbst wäre daher wohl die einzig schlagenden Beweise für eine Simulation jene, dass die Menschheit selbst eine solche Simulation, wie er sie beschreibt, realisiert. Oder wenn ein Windows-Fenster am Himmel auftaucht, auf dem „Ihr lebt in einer Simulation“ und „Hier für weitere Informationen klicken“ geschrieben steht.

Was denkt ihr, liebe @Mitglieder von 1E9? Leben wir in einer Simulation? Stimmt ab und verratet uns, warum ihr so abgestimmt habt.

  • Ja, wir leben in einer Simulation!
  • Nein, das ist Unfug!

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Teaserbild: Getty Images

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Ich stelle mich in eine Reihe mit Lisa Randall: Warum interessiert so viele die Theorie? Guesses? Ich hab auch sehr gern Truman Show geguckt. Da hat mir das Spielerische dran gefallen, dass Tote nicht wirklich tot waren - aber es gab auch Reminiszenzen an die Kindheit, wo man einer Erwachsenenwelt mit Fake News ausgeliefert war (von Weihnachtsmann - Osterhase), die man aber, wenn man ganz gewitzt war oder größere schlauere Geschwister hatte, aushebeln konnte.

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Mir fehlt eigentlich noch eine dritte Abstimmungsoption - Ich halte beides für möglich :stuck_out_tongue:

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Habe leider keine Erklärung, warum sich so viele für die Theorie interessieren. Kann aber sagen, warum ich sie wahnsinnig spannend finde: Sie ist für mich ein echtes, großes Gedankenexperiment, in das man sich stundenlang begeben könnte, und die Argumente, die laut Bostrom für die These sprechen, lassen sich nicht einfach wegwischen.

Habe trotzdem dafür gestimmt, dass es Unfug ist. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass wir es mit Dingen wie Krankheiten, Mückenstichen, körperlichen Gebrechen, Unfällen usw. konfrontiert wären, wenn wir in einer bewusst programmierten Simulation leben würden. Sonst wäre die Zivilisation, die dahinter steckt, schon sehr fies… oder?

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Glaube nicht, dass wir in einer digitalen Simulation leben. Das wäre mM ziemlich low-tech für eine so weit entwickelte „Zivilisation“, wenn man überhaupt von so etwas sprechen kann (von einer Zivilisation), wenn wir an so hohen Forme von Intelligenz denken.

Schon heute zeichnet sich eine nicht-digitale Rechenwelt ab. Wir entdecken auch, dass physikalische Systeme selber als informationsverarbeitende Systeme gesehen werden können und die Evolution in der Zeit als „Rechenfortschritt“.

Noch bis vor „kurzem“ wurden komplette Produkte, wie zB das Verhalten eines Flugzeugs, einer Eisenbahn, etc, von analogen Systemen „simuliert“. Hierbei hat man einfach elektrische Schaltkreise gebaut, die sich ähnlich / gleich dynamisch Verhalten wie das eigentliche elektro-mechanische System. Man kann zeigen, das chemische Systeme ähnliches tun, etc., etc.

Das Argument, dass so viel zusammenkommen musste um menschliches Leben zu ermöglichen halte ich für gewagt und zu simpel. Auch hier sieht man in aktueller Forschung gerade, wie robust sich komplexere Strukturen durch Selbstorganisation und grundlegende physikalische Gesetzmäßigkeiten formen. Wenn die Bedingungen andere wären, dann hätte sich evtl eine andere Verkettung von Ereignissen ergeben und sich zB ein nicht Kohlenstoff-basiertes Leben entwickelt… Why not?!

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Eine Simulation impliziert ja nicht unbedingt eine Utopie und Idealwelt. Und wir sind ja wahrscheinlich – je nach Thesen-Version – mehr oder minder selbstständige denkende Wesen, die Handlungsfreiheit besitzen. Alleine das genügt schon, um Leid zu verursachen.

Und je nach Sinn und Zweck der Simulation kann es erwünscht sein, eine möglichst „realistische Welt“ mit allen Problemen und Schmerzen zu simulieren.

Vielleicht ist es so, dass eine Zivilisation ihre eigenen frühen „Schritte“ nachstellen will oder eine veränderte historische Bahn darstellt. Oder einfach eine digitale Zivilisation schafft und sie mal machen lässt.

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Ist tatsächlich auch eine gute Frage. Da ich selbst sehr davon fasziniert bin – daher hab ich’s ja geschrieben –, würde ich mal sagen, dass diese Frage eine Grundfaszination weckt. Alleine schon, weil sie eine Wahrheit hinter der Realität postuliert; weil die impliziert, dass sich diese Welt durch wissenschaftliche Erkenntnis auf neue Weise erschließen und vielleicht sogar kontrollieren lässt. Und einfach … dass es vlt. noch viel mehr gibt.

Dass sie ausgerechnet bei so vielen cleveren Menschen anklang findet, das hängt aber wohl auch damit zusammen, dass sie – anders als Religionen, Esoterik und viele Pseudo-Religionen – statistisch plausibel ist.

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Also das sehe ich anders. Denn wenn wir mal kurz davon ausgehen, dass es eine Simulation IST, dann könnte es ja auch eine art Spiel sein, und da gehört nun mal auch „das Böse“ dazu. Und wenn es eine Simulation als „Eintertainment“ ist, dann ist es doch auch spannender, wenn etwas passiert. In fast jedem Film gibt es trauriges, Katastrophen, Krieg, Mord etc. FIlme sind damit ein übertriebenes Abbild der Gesellschaft. Warum sollte die Simulation da nicht auch ein Abbild der „realen“ Gesellschaft sein?

Mal etwas provokant:
Kann mir diese Theorie der Simulation sehr gut vorstellen. Denn eigentlich ist es doch vermessen zu denken, dass WIR die einzigen sind die sowas können und das wir nur aus uns selbst entstanden sind. Technologisch als Simulation kann ich mir deutlich realistischer vorstellen als ein Gotteswesen, dass die Erde „erschaffen“ haben soll.

PS
Noch besser als Matrix passen meiner Meinung nach „the 14th Floor“ und „eXistenZ“ zu diesem Gedankenspiel. Wenn ihr die nicht kennt, unbedingte Empfehlung.

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Klar. Matrix ist das Paradebeispiel - aber auch irgendwie zu Recht, denn es hatte viele philosohpische und existenzialistische Fragen eingebracht und Mainstream-genießbar verpackt.

13th Floor, eXistenZ sind fantastisch. Aber ebenso empfehlen kann ich noch: Welt am Draht und Vanilla Sky.

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Warum, wenn es eine omnipotente Macht gibt, sie dennoch Böses in unserer Simulation zulässt, hat ja die Theodizee schon nicht befriedigend beantwortet. Aber ein paar interessante Ansätze gibt es ja schon - z.B. Böses existiert gar nicht, es ist Gutes nur näher an 0. Und eine Existenz, die die Domain (0;1) komplett ausschöpft, also eine Lust an beiden Extrema verspürt, ist

und kann der Menschlichen gar nicht so fremd sein. Ist das jetzt eine Begründung für eine Simulation oder einen höheren menschenähnlichen Geist? Egal, alles ist besser als brain emulation und grey goo.

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Sehr schöner Artikel, und spannende Frage, die sich vermutlich nie wirklich beantworten lassen wird, aber gut zum Sinnieren taugt. Wenn man das weitertreibt, ist man beim „Gehirn im Tank“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Brain_in_a_vat) und einer noch sehr viel weitergehenden Idee einer Simulation, in der noch sehr viel weniger wirklich „ist“. Annahme ist, daß wir diese Frage nie wirklich beantworten können, weil unsere Erkenntnismöglichkeiten auf den Rahmen, in dem wir uns bewegen, beschränkt ist und wir nicht darüber „hinaus“ kommen.

Warum sich so viele Leute für diese Theorie interessieren? Gute Frage… Vielleicht, weil sie einfach greifbare Erklärungen für „grenzwertige“ Phänomene bieten würde, die wir jetzt noch nicht erklären können? Vielleicht auch, weil der Fokus auf das Rationale und die Wissenschaft trotzdem nicht imstande war, den Menschen „letzte“ Fragen (etwa die nach dem „Sinn“ des Lebens, des Universums, des Großen Ganzen) in einer erfüllenden Weise zu beantworten und die Simulation diese Lücke plausibel füllen könnte? Ist das christliche Verständnis von „Schöpfung“ und „Ende“ der Welt, wörtlich betrachtet, eine Beschreibung für „Beginn“ und „Ende“ dieser Simulation?

Auf jeden Fall ein gutes Thema, um ein paar Stunden Gehirn-Zeit zu füllen… :slight_smile:

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Ohne den Zweck der Simulation zu berücksichtigen, ist eine Antwort schwierig. Andererseits ist das ähnlich der Frage nach Gott: Macht die Antwort einen Unterschied für unser Leben?

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Ich bin eigentlich fest davon überzeugt, dass wir in einer Simulation leben…allein, …bitte!? wie kann man die Stammstrecke am WE der langen Nacht der Museen sperren…da war wohl ein grober Reboot nötig! :smiley:

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Auf LinkedIn hat uns ein User noch auf einen spannenden SciFi-Klassiker von 1973 aus Deutschland zum Thema Simulation hingewiesen: Welt am Draht von Rainer Werner Fassbinder. Kannte ich persönlich gar nicht, aber klingt wirklich spannend. Ist die Verfilmung von Simulacron-3, einem Roman von Daniel Galouye, und dreht sich um einen Computer, der eine komplette Kleinstadt simulieren kann.

Gibt’s auch in voller Länger auf YouTube:

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Jep, Welt am Draht ist sehr gut. Hatte ich oben auch kurz getippt. Ist stellenweise nicht gut gealtert aber war seiner Zeit definitiv voraus.

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Das ist tatsächlich eine verdammt gute Frage. Das muss ein Bug gewesen sein.

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Finde ich nicht wirklich fies. Was ist wenn sich Ebene nach Ebene immer ein Bug mehr eingeschmuggelt hat.Keine könnte je intelligenter sein als ihre Erschaffende. Oder so etwas muss eingebaut werden um ihnen die Wissenschaft schmackhaft zu machen, Forschung anzutreiben und sich weiterzuentwickeln.

Finde ich auch :blush:

Meine Meinung

Der Theorie nach leben wir in einer Simulation, wenn wir eine Simulation schaffen könnten. Das ist meiner Meinung nach aber etwas irrsinnig. Es muss ja ganz am Anfang eine Spezies gegeben haben, welche die erste Simulation gestartet hat. Alles hat irgendwo einen Anfang. Entweder gab es diesen Anfang schon, oder wir haben die Lebenslotterie gewonnen und sind diese Spezies, welche die erste Simulation starten wird.

Ich halte es dennoch für möglich, aber wiederum bin ich ein zu optimistischer Mensch um daran zu glauben, dass wir uns in einer Simulation befinden.

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Nein, nicht ganz. Wenn wir selbst eine Simulation erschaffen, ist das ein starkes Indiz dafür, dass wir in einer Simulation leben – zumindest laut Bostrom. Und natürlich: Einen Anfang muss es gegeben haben. Und nichts hält uns davon ab, dieser Anfang zu sein. Wenn mir vielleicht nicht nur irriger Weise glauben, dass wir es sind.

Genau das macht auch den Reiz der These aus: Sie lässt sich bisher weder eindeutig belegen noch widerlegen.

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