Hunderttausende wollen die Area 51 stürmen – was würden sie dort finden?

Ein spaßig gemeintes Facebook-Event geht derzeit durch die Decke! Unzählige Menschen haben sich angemeldet und behaupten, dass sie die geheime Militärbasis Area 51 stürmen wollen. Denn dort sollen schließlich UFOs und Aliens versteckt sein.

Von Michael Förtsch

Am 20. September soll es soweit sein. Dann wollen sich über 1,7 Millionen Menschen rund um das militärische Sperrgebiet Groom Lake in Nevada versammeln. Gemeinsam wollen sie von allen Seiten das Gelände stürmen. Das wird von in den Boden eingelassenen Sensoren, Wärmebildkameras und vor allem privaten und militärischen Sicherheitsbeamten in weißen Pick-ups, Hummer-Geländewagen und Helikoptern gesichert. Im Ernstfall haben die das Recht, Waffengewalt anzuwenden. Aber: „Sie können uns nicht alle stoppen!“, heißt es im Facebook-Eintrag, der zum Sturm einlädt. Doch wozu das alles? Um „Aliens zu sehen!“, lässt sich dort weiterlesen. Denn die Anlage Groom Lake ist nicht irgendeine Militärbasis. Sie ist besser bekannt als Area 51.

Bereits seit vielen Jahrzehnten ranken sich um die Area 51 unzählige Mythen, Legenden und Verschwörungstheorien unterschiedlichster Verrücktheitsgrade.

Angeblich werden in den riesigen Hangars und unterirdischen Höhlenanlagen außerirdische Flugobjekte untersucht, auseinandergenommen oder sogar nachgebaut. Allen voran natürlich die fliegende Untertasse, die 1947 in Roswell niedergegangen sein soll. Auch die Leichen von toten Alien-Piloten sowie abgeschossene Dreickecks-, Glocken- und Zigarrenraumschiffe sollen dort verwahrt werden. Und das ist immer noch nicht alles: Auch von geheimen Experimenten zur Kontrolle des Wetters und Tests mit Energiewaffen oder sogar Zeitmaschinen berichten vermeintliche Insider. Einige sind selbst überzeugt, dass auf dem Gelände von Stanley Kubrick die Mondlandung inszeniert wurde.

Auf der Anlage Groom Lake wurden Flugzeuge nicht nur geflogen, sondern auch anderen Tests unterzogen. Hier wurde zum Beispiel der Radarquerschnitt des Spionagefliegers A-12 ausgelotet. NASA

Befeuert werden diese Theorien durch zahlreiche Bücher selbsternannter UFOlogen und Enthüllungsjournalisten, die immer mehr absurde Details hinzudichten. Serien wie Akte X , Seven Days und Taken , Filme wie Independence Day und Videospiele wie Deus Ex , Area 51 und Blacksite: Area 51 leisteten gleichsam ihren Beitrag. Und tatsächlich war die Area 51 lange streng geheim. Der Kern der Verschwörungstheorie (dass es sie gibt) erwies sich als wahr. Erst 2013 wurde die Existenz der Anlage, obwohl es längst Fotos und Satellitenbilder gab, durch den US-Geheimdienst CIA bestätigt. Natürlich ohne zu sagen, was dort nun vorgeht und was Armee, Geheimdienste und private Militär- und Forschungsunternehmen dort treiben.

Geheim aber nicht außerirdisch

Inzwischen weiß man vergleichsweise viel über die Anlage. Und es ist durchaus nachvollziehbar, warum die US-Regierung und ihre Behörden um Groom Lake so ein Geheimnis machen. Während des Kalten Krieges war dort eine Staffel von Piloten stationiert, die mit erbeuteten MiG-Kampfflugzeugen trainierte, um Schwachstellen der sowjetischen Kampfflieger zu enttarnen und Luftkampftaktiken für den zäh verlaufenden Vietnamkrieg zu entwickeln. Ebenso wurden in der Nellis Range, dem 31.000-Quadratkilometer-Gebiet – das ist fast so groß wie Baden-Württemberg – in dem die Area 51 liegt, Bio- und Chemiewaffen, streng geheime Flugzeugprototypen wie der Spionageflieger U2, dessen Nachfolger A-12 Oxcart und SR-71-Blackbird, der Tarnkappenbomber F-117-Nighthawk und der Jagdflieger F-22 Raptor getestet.

Dieser Name bezeichnet eigentlich nicht die Anlage, sondern die Landparzelle, auf der sich die Ansammlung von Hallen, Straßen, Gebäudekomplexen und Start- und Landebahnen befindet. NASA

Die ersten unbemannten Aufklärungs- und Kampfdrohnen wurden dort gestartet und auf Probeflüge geschickt. Das waren Geräte, die zur Zeit ihrer Entwicklung durchaus wie außerirdische Vehikel gewirkt haben müssen. Auch heute noch ist die Area 51 ein Test- und Übungsgelände für neuartige Flugzeuge und andere Prototypen – und damit wortwörtlichen UFOs: unidentifizierte Flugobjekte. Rüstungskonzerne wie Lockheed Martins Skunk Works und Boeings Phantom Works werkeln dort an Black Project-Flugzeug- und Waffenprojekten, die zum Teil derart geheim sind, wie Ex-Militärpersonal berichteten, dass selbst jene, die die Geheimbasis verwalten, keinen Blick in die Hangars werfen dürfen und das Gelände geräumt wird, wenn manch Fluggerät aus der Halle rollt.

Was also in den riesigen Hangars momentan herumsteht, ist verständlicherweise nicht bekannt. Nur Mutmaßungen von Luftfahrt- und Rüstunsgexperten existieren dazu: neue Überschallflieger, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete und hoch-autonome Kampfdrohnen oder Jets mit neuartigen Tarnkappentechnologien. Seit Jahrzehnten taucht in Verschwörungstheorien aber auch Fachpublikationen wie Jane’s Defense Weekly oder Flight Global immer wieder der Name Aurora auf, der angeblich zu einem milliardenschweren Hyperschall-Flieger gehören soll, der Rauchring-artige Kondensstreifen hinter sich herziehe.

Kleine graue Außerirdische würden diejenigen, die Area 51 stürmen wollen, jedenfalls nicht finden – aber durchaus bizarre Fluggeräte. Die könnten sogar aussehen, als wären sie nicht von dieser Welt, sind aber ganz und gar irdischer Natur.

Das Flugzeug F-117 wurde in den 1970ern entwickelt. Seine Form war damals beispiellos – und muss zwangsläufig total außerirdisch gewirkt haben. US Air Force

Der falsche Ort, um Aliens zu suchen?

Selbst einige Verschwörungstheoretiker merken mittlerweile an, dass der Twitch-Streamer SmyleeKun, der das Storm-Area-51-Event auf Facebook ausgerufen hat, wohl auf den falschen Ort zielt. Darunter ist etwa Bob Lazar, der seit 1989 immer wieder behauptet, für das US-Militär an der Entschlüsselung von Alien-Technologie mitgearbeitet zu haben. „Es gibt dort [in der Area 51] keine Aliens oder Alien-Technologie“, so Lazard, der momentan in der auf Netflix schaubaren Dokumentation Bob Lazar: Area 51 & Flying Saucers porträtiert wird.

Ihm zufolge wurden die UFOs zu seiner Zeit nicht in der Area 51, sondern einer S-4 getauften Anlage südlich des Stützpunktes gelagert. Dort hätten sie in Hallen gestanden, die direkt in einen Berg hinein gesprengt worden waren. Die Hangartore wären als Felswände getarnt und daher nur zu sehen, wenn sie offen stünden. Aber heute, sagt er, könnten die Raumschiffe gut und gerne auch ganz woanders aufbewahrt und untersucht werden. Aber auch insgesamt sieht der Möchtegern-UFO-Ingenieur die für den 20. September geplante Aktion als eine „fehlgeleitete Idee“ an. Würde jemand in die Area 51 stürmen, könnte das dramatische Folgen haben, mahnt er.

In einigen Verschwörungsforen im Internet wird zudem angemerkt, dass statt der Area 51 oder S-4 die Dulce Base das Ziel sein sollte, wenn die Facebook-Aktivisten wirklich auf Außerirdische treffen wollen. Die Dulce Base soll eine weitläufige Anlage sein, die im Untergrund nahe der Stadt Dulce, New Mexico, existiert. Dort sollen Aliens und Menschen zusammenarbeiten, um Technologien auszutauschen, bizarre Mensch-Alien-Hybriden zu züchten und – warum auch immer – arme Kühe mit Lasern zu verstümmeln. Das soll nicht immer friedlich ablaufen. Dann und wann würden sie die beiden Spezies auch mal Feuergefechte liefern, bei denen arme Tunnelbauer wie Phil Schneider zwischen die Fronten geraten.

Aber was, wenn doch?

Wie mittlerweile vom Mitinitiator des Aufrufs, Jackson Barnes, mehrfach bestärkt wurde, sei Storm Area 51 natürlich nicht ernstgemeint, sondern ein Scherz. Einer, der „vollkommen durchknallte“, mittlerweile weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wird und live im Internet zu sehen sein soll. Einige wollen am 20. September nämlich definitiv an den Toren zur Area 51 auftauchen und sich auf den Weg machen – mit Kameras und Livestream. Denn viele sind durchaus überzeugt, dass es dort UFOs und Aliens geben könnte. Über 50 Prozent der US-Amerikaner glauben, dass Außerirdische existieren und fast 20 meinen, das die schon hier sind und die Regierungen das geheim hält.

Die skurrile Aktion wird von den meisten amüsiert zur Kenntnis genommen. Zahlreiche Memes über die kommende Erstürmung machen derzeit die Runde ebenso wie Scherzbilder, die angebliche Zusagen von Prominenten zeigen, die sich an der Invasion der Anlage beteiligen wollen. Elon Musk spottete hingegen, dass die Area 51 doch langweilig wäre – sein Unternehmen SpaceX habe die viel coolere Area 52.

Das US-Militär nimmt die Erstürmungspläne derweil nicht ganz so gelassen, sondern warnt inständig vor deren Ausführung, wie eine Sprecherin zur Washington Post sagte. Niemand solle versuchen, auf das Gelände zu kommen, in dem die US-Militärs „ihre Streitkräfte ausbilden.“ Denn: „Die US Air Force steht immer bereit, um Amerika und seine Güter zu beschützen.“ Auf welche Art und Weise, da mochte die Militärsprecherin keine genauen Aussagen treffen. Das letzte Mal als sich ein Glücksjäger in die Area 51 stehlen wollte, ging das jedoch nicht sonderlich glimpflich aus. Er wurde, als er die Sperranlage nahe der Stadt Mercury durchfuhr und sich weigerte umzukehren, erschossen.

Teaser-Bild: Getty Images / Bunn Lee

7 Like

Da oute ich mich mal als Träumer:

Irgendwann wird es weltweiten Frieden geben, der von Kooperation statt Konfrontation geprägt sein wird. Dann werden auf der Area 51 nur noch zivile staatliche Projekte verfolgt, die nicht mehr geheim sondern offen, gemeinnützig und nachhaltig verfolgt werden. Auf diesen Tag bin ich tatsächlich sehr gespannt.

Bis dahin kann ich nur jede Aktion begrüßen, die die kriegstreiberischen Aktionen in der Area 51 an die Öffentlichkeit bringen.

2 Like

Ich bin da Pragmatiker. Ich fürchte, auf den Tag können wir lange warten.

2 Like

Träumer @delfi und Pragmatiker @Michael -
Area 51 existiert. Bilderberg existiert. Alles was für eine zeit lang geheim gehalten ist wird ans Tageslicht gelangen.
Ich bin Visionär, Idealist und Realist. So versuche ich mit zwei Beinen einen Spagat in drei Richtungen hinzubekommen - und das gelingt mir.
Vielleicht wird es in der Zukunft doch möglich werden, Profitstreben und unbegrenztes (wirtschaftliches) Wachstum zu überwinden und lebensbejahende Perspektiven zu realisieren, also Wirklichkeit werden zu lassen, womit der Träumer eine realistische Chance erhält, zu erleben, dass andere auch aufwachen. :upside_down_face:

1 Like