Dieser China-Truck soll den Tesla Semi ausbooten

Der Automobilriese Geely plant einen chinesischen Konkurrenten zu Teslas Elektrotruck Semi. Der soll ab 2024 ausgeliefert werden – und sieht so futuristisch aus, dass er glatt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte.

Von Michael Förtsch

Der in Hangzhou beheimatete Konzern Geely ist einer der größten Autobauer der Welt. Dem Unternehmen gehören mittlerweile einige der renommiertesten Fahrzeugmarken überhaupt. Darunter Volvo und Lotus. Aber Geely will in Zukunft vor allem mit neuen Namen für Aufsehen sorgen – und äußerst aggressiv den Markt für Elektroautos aufmischen. Zu den jungen Marken des chinesischen Autogiganten zählen beispielsweise das 2005 gemeinsam mit Volvo gestartete Polestar, das erst 2016 gegründete Lynk & Co, das 2019 gegründete Geometry und seit diesem Jahr auch Zeekr. Allein Zeekr soll ab 2025 jährlich bis zu 650.000 Elektroautos fertigen und ausliefern.

Aber Geely will nicht nur bei PKWs aufstrebende und etablierte Autobauer herausfordern, sondern auch bei LKWs. Unter der Nutzfahrzeugmarke Farizon Auto fertigt Geely bereits seit geraumer Zeit Kleinlaster wie den E200 und die Elektrobus-Reihe E8, E10 und E12. Nun hat die Geely-Tochter den sogenannten Homtruck vorgestellt, eine äußerst futuristisch gestaltete Zugmaschine, die mit einer geschwungenen Form, einer mit LED-Leisten gespickten Front und riesigen Fensterflächen ausgestattet ist. Im Innenraum zeigt ein Vorstellungsvideo ein kantiges Lenkrad, einen breiten Armaturenbildschirm und ein edles Interieur – samt Waschmaschine, Dusche und Kühlschrank. Das alles lässt dabei wohl nicht von ungefähr an den Semi von Tesla denken.

Genaue Angaben zu Leistung und Reichweite machen Geely und Farizon Auto bisher nicht. Aber in einer Pressemitteilung wird versprochen, dass der LKW „eines der fortschrittlichsten und saubersten“ Fahrzeuge auf der Straße werden und den Verkehr für andere Fahrer und auch Fußgänger sicherer machen soll. Dazu soll es die Möglichkeit geben, die Batterie in wenigen Minuten auszutauschen, statt den Lastwagen aufzuladen. Ebenso soll der LKW nicht nur als Stromer gebaut werden. Es soll auch eine Hybridausführung mit Methanol-Brennstoffzelle geben, die eine längere Reichweite vorweisen kann.

Nicht nur Konkurrenz aus China

Der Homtruck soll schon 2024 an erste Kunden ausgeliefert werden. Und zwar nicht nur in China, sondern auch in der Europäischen Union, in Nordamerika, Japan und Korea. „Dieses Produkt ist für den globalen Markt konzipiert und entwickelt worden“, sagte der Farizon-Auto-Chef Mike Fan gegenüber CNBC. Ebenso soll der LKW so konstruiert sein, dass er von vornherein die Möglichkeit mitbringt, durch Software-Updates nach und nach zu einem voll-autonomen Fahrzeug aufgerüstet zu werden. Laut Mike Fan könne das gegen 2030 soweit sein. In Teilen soll der LKW aber bereits zum Auslieferungszeitpunk auf bestimmten Strecken wie Autobahnen im Autopilot fahren können – so denn die lokale Gesetzgebung das erlaubt. Auch sollen Homtrucks, die auf derselben Strecke unterwegs sind, miteinander kommunizieren und beispielsweise als Flotte fahren können.

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Der bereits 2016 angekündigte Semi von Tesla soll nur ein Jahr früher auf den Markt kommen, also 2023. Ursprünglich hätte er bereits 2019 erscheinen sollen. Ob der aktuelle Termin zu halten ist, ist bisher aber unsicher. Denn Tesla ist – wie die gesamte Fahrzeugindustrie – von Engpässen bei Computerchips und Rohstoffen für Akkumulatoren betroffen. Selbst wenn der Semi bereits für die Produktion bereit wäre, sagte Elon Musk bei einem Quartalsreport für Investoren, „wären wir [aufgrund der Lieferengpässe] nicht in der Lage, zu produzieren“.

Aber nicht nur der Homtruck soll den Semi von Tesla herausfordern. Auch andere Unternehmen haben bereits Konkurrenz-LKWs angekündigt. Darunter das 2016 als Thor gegründete Start-up Xos, das bereits einen voll-elektrischen Lieferwagen fertigt. Der etablierte LKW-Bauer DAF aus den Niederlanden hat bereits elektrische Zugmaschinen vorgestellt. Und ab 2022 sollen von Iveco und Nikola konzipierte Elektro-Trucks in Ulm vom Band laufen.

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